Diese neue Strategie stellt einen klaren Bruch mit einem lang etablierten Präzedenzfall dar.
Internationale Spionage sieht heute ganz anders aus als in der Vergangenheit.
Jahrzehntelang konzentrierten sich hochqualifizierte Agenten hauptsächlich darauf, Panzer zu zählen oder geheime militärische Baupläne zu stehlen.
Jetzt hat sich das Schlachtfeld der Geheimdienste offiziell in Unternehmensvorstände, Tech-Labore und Fabrikhallen verlagert.
Ein sich wandelndes Schlachtfeld
Die Vereinigten Staaten weiten ihre Geheimdienstoperationen derzeit auf ausländische Unternehmen aus. Um dem wachsenden wirtschaftlichen Druck entgegenzuwirken, nehmen amerikanische Spionageagenturen China mit einer viel breiteren Spionagemission ins Visier.
Während einer Cybersicherheitskonferenz in Washington am Dienstag skizzierte der stellvertretende CIA-Direktor Michael Ellis diesen massiven Wandel. Er erklärte, dass die moderne Informationsbeschaffung weit über ihre Ursprünge im Kalten Krieg mit der Sowjetunion hinausgegangen sei.
Die Verfolgung von Truppenbewegungen sei nicht länger die einzige Priorität. Laut The New York Times betrachte die Behörde die chinesischen Wirtschaftsambitionen nun als direkte Herausforderung für die amerikanische Dominanz.
China „stellt eine grundlegend andere Art von Bedrohung für uns dar, weil der Wettbewerb wirtschaftlicher Natur ist“, sagte Herr Ellis dem Publikum bei der Veranstaltung.
Verschwimmende Grenzen
Westliche Beamte argumentieren, dass die chinesische Regierung ihre lokale Geschäftswelt streng kontrolliere. Amerikanische Geheimdienste betrachten diese riesigen Unternehmen als völlig legitime Ziele, da ihnen die wahre Unabhängigkeit von der regierenden politischen Partei fehle.
Agenten suchen aktiv nach fortgeschrittener Forschung in den Bereichen künstliche Intelligenz, Halbleiter und Biotechnologie. Das Auffinden dieser wertvollen Technologiegeheimnisse erfordere einen völlig neuen Ansatz von den Außendienstmitarbeitern.
Herr Ellis bemerkte, dass diese kritischen Daten „nicht an denselben Orten zu finden sind, an denen politische oder militärische ausländische Geheimdienstinformationen gefunden werden“, wie The New York Times berichtete.
Alte Gewohnheiten ablegen
Historisch gesehen versuchte die amerikanische Regierung, eine strikte Grenze zwischen nationaler Sicherheitsspionage und Unternehmensspionage zu ziehen. Frühere Regierungen vermieden es größtenteils, Informationen rein aus finanziellen oder wirtschaftlichen Gründen zu sammeln.
Diese neue Strategie stellt einen klaren Bruch mit diesem lang etablierten Präzedenzfall dar. Geheimdienstführer erkennen nun an, dass kommerzielle Technologie das nationale Überleben direkt beeinflusst, was Spione dazu zwingt, ihre Arbeitsweise im Ausland zu ändern.
Herr Ellis erklärte genau, wo diese wichtigen Informationen heute zu finden sind. Er sagte, dass die Daten „im Privatsektor ansässig sind oder in einem Bereich, den China so nah wie möglich an einen Privatsektor heranführt“, und aktualisierte damit explizit den zukünftigen Fokus seiner Behörde.
Quellen: The New York Times