Der Konflikt Europas mit Washington betritt Neuland, da Verbündete offen über Vergeltungsmaßnahmen sprechen, die lange als undenkbar galten.
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Nach Wochen eskalierender Drohungen signalisieren Politiker auf dem Kontinent, dass sie den Druck nicht schweigend hinnehmen wollen.
Der jüngste Brennpunkt dreht sich um Grönland und den Preis, den NATO-Partner möglicherweise zahlen müssen, wenn sie Trumps Forderungen widerstehen.
Zölle lösen Gegenreaktion aus
Laut The Times hat Trump damit gedroht, zusätzliche Zölle gegen acht NATO-Verbündete zu verhängen, die eine Übernahme Grönlands durch die USA ablehnen.
Die Warnung hat in Europa ungewöhnlich deutliche Reaktionen ausgelöst.
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson sagte: „Wir lassen uns nicht erpressen“, während Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die einzige europäische Regierungschefin, die zu Trumps Amtseinführung eingeladen war, den Schritt als „Fehler“ bezeichnete.
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Der finnische Präsident Alexander Stubb warnte vor einer „schädlichen Spirale“, die die transatlantischen Beziehungen beschädigen könnte, berichtete The Times.
Zu den am stärksten betroffenen Ländern zählen Großbritannien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Deutschland, die Niederlande, Norwegen und Schweden.
Stützpunkte unter Druck
Eines der sensibelsten Themen, die nun diskutiert werden, ist die militärische Präsenz der USA in Europa.
The Times berichtete über eine wachsende Debatte, ob Europa US-Stützpunkte als Druckmittel nutzen könnte, insbesondere in Deutschland, das große Drehkreuze wie Ramstein und Stuttgart beherbergt.
Deutsche Regierungsvertreter bestritten Pläne, US-Truppen zum Abzug zu zwingen, doch eine Quelle sagte, Berlin könne erwägen, die Mieten für amerikanische Einrichtungen zu erhöhen.
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Eine von The Times zitierte YouGov-Umfrage ergab, dass 47 Prozent der Deutschen den Abzug von US-Truppen aus dem Land unterstützen.
NATO in Gefahr
Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius warnte, ein einseitiger Schritt der USA zur Annexion Grönlands könne die NATO selbst gefährden. In einem Beitrag für Die Zeit schrieb er:
„Alleingänge sind die schlechtere Alternative und gefährden den Fortbestand der NATO als nordatlantisches Verteidigungsbündnis.“
Die Warnung unterstreicht die Befürchtung, dass der Streit das Bündnis in einer Phase globaler Instabilität spalten könnte.
Europas Instrumente
Europäische Regierungen erwägen zudem eine Reihe wirtschaftlicher Gegenmaßnahmen für den Fall einer weiteren Eskalation.
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Eine Option wären Gegenzölle, um US-Maßnahmen zu spiegeln und den politischen Druck auf Trump im eigenen Land zu erhöhen.
Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, Exporte ins Visier zu nehmen, die mit Trumps politischer Basis verbunden sind, etwa Bourbon, eine Taktik, die die EU bereits in früheren Handelskonflikten eingesetzt hat.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat angeregt, das Anti-Zwangsinstrument der EU in Betracht zu ziehen, einen Mechanismus, der als „letztes Mittel“ gegen wirtschaftliche Einschüchterung gedacht ist.
Analysten sagen, Europa könne dort Druck ausüben, wo die USA stark von europäischen Märkten oder Regulierung abhängig sind.
Tobias Gehrke vom European Council on Foreign Relations bezeichnete dies als „gegenseitig asymmetrische Abhängigkeit“ und verwies auf Instrumente von Exportsteuern bis hin zu strengeren Regulierungs- und Technologieregeln.
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Quellen: The Times, YouGov, Die Zeit, Express.