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Kann Trump aus dem Amt gezwungen werden?

Donald Trump
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Was passiert, wenn ein Präsident sich weigert zu gehen?

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Während Donald Trumps zweite Amtszeit in rasantem und umstrittenem Tempo voranschreitet, werden Fragen nach den Grenzen der präsidialen Macht zunehmend dringlicher.

Kritiker argumentieren, dass Umfang und Häufigkeit seiner Maßnahmen die Vereinigten Staaten in unbekanntes Terrain geführt haben und damit eine erneute Debatte darüber ausgelöst wurde, wie ein amtierender Präsident realistisch aus dem Amt entfernt werden könnte.

Der reguläre Prozess

Unter normalen Umständen ist die Absetzung eines Präsidenten einfach: Die Wähler entscheiden an der Wahlurne.

Präsidenten absolvieren ihre Amtszeit und treten entweder zurück oder bewerben sich – je nach verfassungsrechtlichen Vorgaben – um eine Wiederwahl.

Im Fall Trump ist dieser Weg jedoch kompliziert. Er hat wiederholt öffentlich über eine mögliche „dritte Amtszeit“ gesprochen, obwohl die Verfassung Präsidenten eindeutig auf zwei gewählte Amtszeiten beschränkt.

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Zudem behauptet er weiterhin, die Wahl von 2020 sei gestohlen worden, und hat angedeutet, dass auch zukünftige Wahlen manipuliert sein könnten.

Diese Aussagen haben die Sorge verstärkt, dass der traditionelle demokratische Prozess selbst unter Druck geraten könnte.

Amtsenthebung durch den Kongress

Die bekannteste Methode, einen Präsidenten während seiner Amtszeit zu entfernen, ist das Amtsenthebungsverfahren (Impeachment).

Der Prozess beginnt im Repräsentantenhaus, wo eine einfache Mehrheit ausreicht, um den Präsidenten anzuklagen.

Kommt es zur Amtsenthebung, führt der Senat ein Verfahren durch, um zu entscheiden, ob der Präsident „schwere Verbrechen und Vergehen“ begangen hat.

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Für eine Verurteilung ist eine Zweidrittelmehrheit der Senatoren erforderlich. Erst dann wird der Präsident seines Amtes enthoben.

Trump ist bislang der einzige Präsident, der zweimal angeklagt wurde, und in beiden Fällen sprach ihn der Senat frei.

Angesichts der aktuellen parteipolitischen Spaltung wäre es äußerst schwierig, die erforderliche Mehrheit im Senat zu erreichen, selbst wenn ein neues Amtsenthebungsverfahren eingeleitet würde.

Zwar könnten die Zwischenwahlen die Machtverhältnisse verschieben, doch auch dann bliebe eine Verurteilung eine hohe Hürde.

Der 25. Verfassungszusatzartikel

Eine weitere verfassungsrechtliche Möglichkeit ist der 25. Zusatzartikel, der die Amtsunfähigkeit des Präsidenten regelt.

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Die Abschnitte 1 und 3 erlauben es dem Präsidenten, die Amtsgeschäfte freiwillig – dauerhaft oder vorübergehend – an den Vizepräsidenten zu übertragen.

Abschnitt 4 ist deutlich einschneidender.

Er erlaubt es dem Vizepräsidenten und einer Mehrheit des Kabinetts, festzustellen, dass der Präsident nicht mehr in der Lage ist, seine Amtsgeschäfte auszuführen.

In diesem Fall gehen die Befugnisse sofort auf den Vizepräsidenten als amtierenden Präsidenten über.

Der Präsident kann diese Erklärung jedoch anfechten. Anschließend muss der Kongress abstimmen. Um die Absetzung aufrechtzuerhalten, ist eine Zweidrittelmehrheit sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat erforderlich.

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Diese Regelung wurde bislang noch nie genutzt, um einen Präsidenten dauerhaft aus dem Amt zu entfernen.

Komplikationen bei der Nachfolge

Wird ein Präsident seines Amtes enthoben, findet keine Neuwahl statt. Die Macht geht automatisch entlang der festgelegten Nachfolgeregelung weiter, beginnend mit dem Vizepräsidenten.

Diese Tatsache verkompliziert mögliche Absetzungsszenarien.

Kritiker argumentieren, dass eine Absetzung Trumps die Macht weiterhin in den Händen politischer Verbündeter belassen könnte, was die Frage aufwirft, wie viel sich tatsächlich ändern würde.

Einige Verfassungsrechtler haben die Idee gleichzeitiger Absetzungen nach den Zwischenwahlen ins Spiel gebracht, doch ein solcher Schritt wäre politisch hoch explosiv und rechtlich riskant.

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Die unbeantwortete Frage

Allen rechtlichen Wegen liegt ein noch beunruhigenderes Problem zugrunde: Was passiert, wenn ein Präsident sich weigert, eine Absetzung oder Wahlniederlage zu akzeptieren?

Das politische System der USA beruht in hohem Maße auf Präzedenzfällen, Normen und freiwilliger Befolgung. Der 6. Januar 2021 hat gezeigt, dass diese Normen infrage gestellt werden können.

Zwar legt die Verfassung Verfahren fest, doch sie regelt nicht eindeutig, wie diese durchgesetzt werden sollen, wenn ein Präsident sich ihnen widersetzt.

Experten warnen, dass das Land in einem solchen Fall in eine Verfassungskrise ohne klare, friedliche Lösung geraten könnte.

Quellen: US-Verfassung, Kongressprotokolle, öffentliche Aussagen von Donald Trump, Mirror

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