Startseite Welt Trumps Iran-Operation könnte sein bislang größter Fehler werden, sagt Experte

Trumps Iran-Operation könnte sein bislang größter Fehler werden, sagt Experte

Donald Trump
Lucas Parker / Shutterstock

Donald Trump kehrte ins Weiße Haus zurück mit dem Versprechen, die Vereinigten Staaten aus ausländischen Verstrickungen herauszuhalten.

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Im Wahlkampf stellte er sich wiederholt als der Präsident dar, der Kriege beendet und keine neuen beginnt.

Nun, da US-Streitkräfte in eine Militärkampagne gegen Iran eingebunden sind, wird dieses Versprechen auf die Probe gestellt. Für viele Wähler, die ihn aufgrund seines zurückhaltenden außenpolitischen Kurses unterstützt haben, könnte dieser Kurswechsel zutiefst beunruhigend sein.

Am Samstag gab Trump bekannt, dass die Vereinigten Staaten militärische Maßnahmen gegen Iran eingeleitet haben. Kritiker sprechen von einem freiwillig gewählten Krieg und argumentieren, es habe alternative Strategien gegeben.

Richard Haass von der New York University vertritt die Ansicht, der Präsident habe sich eines der ehrgeizigsten außenpolitischen Ziele überhaupt zu eigen gemacht: einen Regimewechsel. In einer Analyse der sich entwickelnden Krise schreibt Haass, ein solches Ziel sei politischer Natur und lasse sich nicht allein durch militärische Angriffe erreichen.

Grenzen der Macht

Nach Ansicht von Haass ist die iranische Opposition zersplittert und nicht darauf vorbereitet, als Ersatzregierung zu fungieren. Ohne eine glaubwürdige alternative Autorität seien Überläufer unwahrscheinlich und innere Stabilität könne nicht gewährleistet werden.

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Luftschläge können Anlagen zerstören und Befehlshaber ausschalten, doch sie beseitigen nicht automatisch fest verankerte Herrschaftsstrukturen.

Ein Regimewechsel, so argumentiert er, erfordert den Zusammenbruch staatlicher Strukturen.

Historische Beispiele zeigen, dass solche Entwicklungen in der Regel eine dauerhafte Präsenz von Bodentruppen voraussetzen.

Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg sowie später Panama, Irak und Afghanistan umfassten allesamt Einsätze mit Bodentruppen, mit gemischten langfristigen Ergebnissen.

Harte Realitäten

Im Fall Irans gilt eine vollständige Besetzung aufgrund der Größe des Landes und seiner Widerstandsfähigkeit als kaum realistisch.

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Eine Strategie, die sich auf die Ausschaltung der Führungsspitze konzentriert, könnte ebenfalls nicht ausreichen, da die iranische Führung über fast fünf Jahrzehnte hinweg stark institutionalisiert wurde.

Haass weist darauf hin, dass Teheran in den vergangenen Wochen angesichts der zunehmenden Spannungen vermutlich seine Nachfolgeplanung verstärkt hat.

Diese Vorbereitung verringert die Wahrscheinlichkeit, dass gezielte Angriffe einen systemischen Zusammenbruch auslösen.

All dies deutet darauf hin, dass die Regierung ein weitreichendes Ziel mit begrenzten Mitteln verfolgt.

Wachsende Risiken

Haass verweist zudem auf Risiken im In- und Ausland.

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Trump sprach vom Einsatz einer „Armada“, einer Machtdemonstration, die den Handlungsdruck möglicherweise erhöht habe, da eine solche Einsatzbereitschaft nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden könne.

Die amerikanische Öffentlichkeit sei auf einen langwierigen Konflikt, der die Märkte erschüttern und die Energiepreise steigen lassen könnte, nicht vorbereitet.

Auch Verbündete in der Region könnten wirtschaftliche Schäden erleiden, sollte Iran Vergeltungsmaßnahmen ergreifen.

Auch wenn Trump seine Ziele noch erreichen könnte, zeigt die Geschichte, dass ein Regimewechsel leichter gefordert als umgesetzt ist.

Und sobald ein Krieg beginnt, hängen Dauer und Ausmaß nicht nur von Washington, sondern auch von Teheran ab.

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Quelle: Analyse von Richard Haass, New York University.