Telegram war früher die beliebteste Messaging-App in Russland.
Die russischen Behörden haben Telegram-Gründer Pavel Durov offiziell wegen Beihilfe zum Terrorismus angeklagt, wie die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti am Mittwoch berichtete.
Die Beamten setzten den Tech-Milliardär zudem auf eine internationale Fahndungsliste.
Sicherheitsbeamte in Moskau behaupten, sein Messaging-Dienst habe sich geweigert, Kanäle zu entfernen, die von ukrainischen Geheimdiensten genutzt würden. Laut Reuters warf der Föderale Sicherheitsdienst (FSB) diesen Kanälen vor, „terroristische Anschläge und Massentötungen“ in ganz Russland koordiniert zu haben.
Die Ermittler verwiesen direkt auf einen beliebten Dating-Chatbot in der App namens Daivinchik. Ukrainische Spione sollen sich als junge Frauen in dem Bot ausgegeben haben, um junge Männer zu Brandstiftung und Sabotage zu verleiten.
Seit Juli letzten Jahres haben Sicherheitskräfte 46 junge Nutzer in 16 russischen Regionen wegen dieser mutmaßlichen Angriffe festgenommen.
Und wie reagierte Durov? Nun, wir können nicht sicher sein, dass es sich tatsächlich um eine Reaktion auf die neuen Anschuldigungen handelt, aber Stunden nachdem die Nachricht bekannt wurde, postete der offizielle X-Account von Telegram ein Bild von Durov, das ihn zeigt, wie er der Kamera den Stinkefinger entgegenstreckt.
Ein digitales Schlachtfeld
Die Eskalation markiert den jüngsten Schritt in Moskaus Kampagne zur Kontrolle von Online-Räumen. In den letzten Monaten haben Beamte Telegram stark gedrosselt. Dies hat die Bürger gezwungen, sich auf virtuelle private Netzwerke (VPNs) zu verlassen, nur um ihre Chats zu öffnen.
Doch trotz des harten Vorgehens posten offizielle Kreml-Konten weiterhin täglich in der App. Telegram hat sich während des Krieges zu einem „virtuellen Schlachtfeld“ entwickelt. Es dient als zentrale Drehscheibe für Soldaten, Blogger und Beamte auf beiden Seiten.
Staatlicher Druck ist Durov nicht fremd. Bereits 2014 verkaufte er seine Anteile am sozialen Netzwerk VKontakte und floh aus Russland, nachdem er sich Forderungen widersetzt hatte, private Nutzerdaten herauszugeben.
Im Jahr 2024 nahmen französische Behörden den Milliardär wegen Vorwürfen unzureichender Inhaltsmoderation fest, bevor sie ihn gegen Kaution freiließen.
Er bleibt standhaft
Als russische Behörden zuvor eine Vorladung an seine alte Wohnung schickten, blieb Durov unbeeindruckt. „Sie müssen mich verdächtigen, die Artikel 29 und 23 der russischen Verfassung zu verteidigen, die die Meinungsfreiheit und das Recht auf private Korrespondenz garantieren. Stolz, schuldig zu sein!“, schrieb er online.
Der Tech-Mogul, der heute in Dubai lebt, besitzt französische und emiratische Pässe. Seine Auslieferung nach Moskau könnte den VAE erhebliches diplomatisches Kopfzerbrechen bereiten.
Vorerst läuft die App weiter. Und ihr Gründer zeigt keine Anzeichen dafür, nachzugeben.