Film-Soundtracks überschreiten oft internationale Grenzen, um globalen Blockbustern eine atmosphärische lokale Note zu verleihen.
In Zeiten geopolitischer Konflikte können selbst kurze musikalische Einlagen bei Kinobesuchern plötzliche Empörung auslösen. Wie das lokale Publikum auf unerwartete Klänge reagiert, kann schnell beeinflussen, was letztendlich auf der großen Leinwand zu sehen ist, berichtet DR News.
Kassenschlager
Der Blockbuster „Spider-Man: Brand New Day“ hat weltweit Kassenrekorde gebrochen. Mit Tom Holland in seiner vierten Rolle als Peter Parker schrieb der Film auch Geschichte als erster Marvel-Film, der einen russischen Song auf seinem offiziellen Soundtrack enthielt.
Der Titel „Monopolija“ der russischen Popkünstlerin Monetochka spielt für etwa drei Sekunden während einer Szene, in der Peter Parker am Brighton Beach ankommt, um Jelena Belowa zu treffen. Doch Kinobesucher in der Ukraine bemerkten einen subtilen Unterschied, als sie den Film in lokalen Kinos sahen.
Das drei Sekunden lange Segment wurde vollständig aus der ukrainischen Kinofassung entfernt. Die Kürzung erfolgte nach weit verbreiteter Empörung in den sozialen Medien, nachdem lokale Fans entdeckt hatten, dass der russische Titel Teil der internationalen Fassung war.
Kürzungen in Kiew
Bevor sie den Film sah, äußerte eine ukrainische Nutzerin auf Threads ihre Frustration, nachdem sie die Titelliste online entdeckt hatte. Sie schrieb: „Wenn sie die Nummer beibehalten haben, würde ich lieber mein Ticket zurückgeben, als dass mein Abend ruiniert wird.“
Die Kinobesucherin teilte später mit, dass die Kinokette Planeta Kino sie kontaktiert habe, um ihr mitzuteilen, dass der Clip „von unseren Leuten geschnitten worden“ sei. Screenshots, die vom lokalen Medienunternehmen Oboz geteilt wurden, bestätigten, dass andere Zuschauer ähnliche Nachrichten erhielten.
Der Verleiher B&H Film Distribution nahm die Anpassung stillschweigend vor. Unter Berufung auf offizielle Informationen des Verleihers teilte Planeta Kino Meduza mit: „Die kurze Episode (etwa drei Sekunden) wurde vollständig aus der ukrainischen Version des Films entfernt. Die Handlung und das Gesamtkonzept des Films bleiben unverändert.“
Antikriegskünstlerin
Monetochka, deren richtiger Name Jelisaweta Gyrdymowa ist, verließ Russland nach der Invasion der Ukraine im Jahr 2022 und lebt nun in Lettland. Die russischen Behörden stuften sie aufgrund ihrer offen geäußerten Antikriegshaltung als „ausländischen Agenten“ ein.
Trotz ihrer lautstarken Opposition gegen den Kreml und ihrer Bemühungen, Benefizkonzerte für ukrainische Flüchtlinge zu organisieren, blieb ihre Präsenz auf dem Soundtrack für viele lokale Kinobesucher inakzeptabel. Die Künstlerin hat sich bisher nicht öffentlich zu der Entscheidung geäußert, ihr Lied zu kürzen.
Quellen: Dr News, Threads, Oboz, Meduza, Instagram