Im Mittelpunkt des Disputs steht eine riesige Sammlung militärischer Güter, die sich derzeit in türkischen Lagern befindet.
Hinter verschlossenen Türen bergen alte Militärbündnisse oft Geheimnisse, die plötzlich neue Konflikte entfachen können.
Waffen, die jahrzehntelang in ruhigen Zeiten eingelagert waren, können schnell zum Mittelpunkt einer hochriskanten diplomatischen Auseinandersetzung werden.
Genau das geschieht heute, da neue Anfragen für schwere Waffen die fragilen internationalen Beziehungen zu stören drohen.
Moskau fordert schnelle Antworten
Moskau fordert von Washington und Ankara umgehende Antworten zu jüngsten Berichten über ein umfassendes Waffenabkommen.
Russische Beamte reagierten scharf, nachdem sie erfahren hatten, dass die Türkei eine große Menge amerikanischer Waffen an die Ukraine übergeben könnte.
Laut der Moscow Times warnte der Kreml, dass die Verbringung eines „beträchtlichen Arsenals“ über die Grenze hinweg schwerwiegende diplomatische Konsequenzen nach sich ziehen würde. Sprecherin Maria Sacharowa warnte in einer offiziellen Erklärung, ein solcher Schritt würde „ernsthaften Schaden … für unsere bilateralen Beziehungen zu Washington und Ankara“ verursachen.
Jahrzehntelange Lagerung
Im Mittelpunkt des Disputs steht eine riesige Sammlung militärischer Güter, die sich derzeit in türkischen Lagern befindet.
Ankara bat die Vereinigten Staaten kürzlich um Erlaubnis, Zehntausende Artilleriegranaten und Streuraketen direkt an Kiew zu liefern.
Diese Waffen wurden ursprünglich unter einer amerikanischen Lizenz von 1987 hergestellt und lagerten jahrzehntelang unberührt.
Aufgrund dieser ursprünglichen Lizenzvereinbarung muss die Türkei eine ausdrückliche Genehmigung von Washington einholen, bevor sie die Munition an einen anderen Ort versendet.
Versteckte Explosionsrisiken
Die potenzielle Lieferung umfasst hochumstrittene Streumunition, die kleinere Sprengkörper über weite Schlachtfelder verteilt.
Weder die Vereinigten Staaten noch die Türkei unterzeichneten das internationale Abkommen von 2008, das den Verkauf und Einsatz dieser Waffen verbietet.
Human Rights Watch hat eindringliche Warnungen vor diesen gefährlichen Geräten ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass etwa 40 Prozent der Sprengkörper nicht sofort detonieren. Stattdessen werden diese nicht explodierten Ladungen zu „De-facto-Antipersonenminen“, die unschuldige Zivilisten lange nach Beendigung der Kämpfe bedrohen.
Washington hielt jahrelang ein striktes Moratorium für den Export von Streubomben aufrecht, doch Präsident Joe Biden umging diese Regeln im Jahr 2023, um die Ukraine zu beliefern. Nun beobachten russische Staatsführer genau, ob Washington Ankara grünes Licht geben wird, seine Bestände zu öffnen.
Quellen: Moscow Times, Reuters