Wissenschaftliche Analysen eines außergewöhnlich gut erhaltenen Fundes liefern neue Erkenntnisse über die frühe Lebensmittelproduktion. Forschende haben chemische Untersuchungen mit mikroskopischen Rückständen kombiniert, um zu rekonstruieren, wie der Inhalt hergestellt wurde.
Ein versiegeltes Bronzegefäß, das auf dem Gräberfeld Shanjiabao im Nordwesten Chinas ausgegraben wurde, enthielt rund 3,74 Liter einer klaren, blass blaugrünen Flüssigkeit. Eine im Journal of Archaeological Science: Reports veröffentlichte Studie identifiziert sie als ein alkoholisches Getränk auf Getreidebasis aus der späteren Phase der Zeit der Streitenden Reiche.
Solche Funde sind selten, da Flüssigkeiten und andere organische Materialien im Boden normalerweise zerfallen. Archäologen untersuchen daher häufig absorbierte Rückstände oder mikroskopische Spuren, anstatt größere erhaltene Mengen des ursprünglichen Inhalts analysieren zu können.
Laboruntersuchungen wiesen 24 Klassen organischer Verbindungen nach, darunter Kohlenhydrate, Aminosäuren und Fettsäuren. Pflanzenreste zeigten, dass Rispenhirse die Hauptzutat war, ergänzt durch Getreide aus der Gruppe der Triticeae, zu der unter anderem Weizen und Gerste gehören. Laut Historienet machte Hirse etwa 92 Prozent der identifizierten Stärkekörner aus.
Das Sediment aus dem Gefäß enthielt außerdem mehr als 8.500 erhaltene Hefezellen. Zusammen mit den Getreideresten ermöglichten diese Mikroorganismen den Forschenden, nicht nur die Zutaten zu bestimmen, sondern auch zu untersuchen, wie das Getränk hergestellt wurde.
Hinweise geben Aufschluss über den Brauprozess
Der Studie zufolge handelte es sich bei dem Fermentationsstarter vermutlich um Qu, eine traditionelle chinesische Kultur auf Getreidebasis, die Schimmelpilze, Hefen und andere Mikroorganismen enthält. Diese Mikroben halfen dabei, die Stärke des Getreides in vergärbare Zucker aufzuspalten, sodass die Mischung zu Alkohol vergären konnte.
Shanjiabao liefert zudem Hinweise auf die Menschen, die das Getränk möglicherweise herstellten, konsumierten oder ihm besondere Bedeutung beimaßen. Archäologen legten an der Fundstätte 183 Gräber frei, von denen 179 mit Qin-Gemeinschaften in Verbindung gebracht wurden. Das Gräberfeld lag etwa zwei Kilometer von den Grenzbefestigungen der Qin entfernt und dürfte sowohl von Angehörigen der Garnison als auch von Bewohnern nahe gelegener Siedlungen genutzt worden sein.
Damit lässt sich das Getränk in eine Gemeinschaft einordnen, deren Alltag sowohl von militärischen Aktivitäten als auch vom gewöhnlichen Siedlungsleben geprägt war. Zwar lässt sich anhand des Gefäßes nicht feststellen, wer genau daraus trank, doch sein Fund bietet einen weiteren Einblick in die materielle Kultur der Qin während der Zeit der Streitenden Reiche.
Die knoblauchförmige Öffnung des Gefäßes war charakteristisch für die materielle Kultur der Qin. Textilien im Gefäßhals sowie mit organischem Material versetzter Lehm an der Außenseite trugen dazu bei, das Gefäß abzudichten, was erklären könnte, warum eine so große Menge Flüssigkeit erhalten blieb. Dass das Gefäß als Grabbeigabe diente, deutet zudem darauf hin, dass alkoholische Getränke Teil von Bestattungsritualen gewesen sein könnten – etwa als Opfergabe, Vorrat oder Gegenstand mit symbolischer Bedeutung.
Quellen: Historienet; Journal of Archaeological Science: Reports