Zwei mächtige Schiffe stehen für unterschiedliche Ansätze in der modernen Marinefliegerei. Ihre Unterschiede zeigen, wie Konstruktionsentscheidungen den Einsatz auf See prägen.
Flugzeugträger gehören nach wie vor zu den deutlichsten Symbolen für die Fähigkeit einer Marine, weit über die eigene Küste hinaus militärische Macht zu entfalten. Sie dienen als mobile Luftwaffenstützpunkte, Kommandozentralen und logistische Drehscheiben. Doch wie verschiedene Länder sie bauen und einsetzen, kann sich erheblich unterscheiden.
Dieser Kontrast wird besonders deutlich, da John F. Kennedy seiner Indienststellung bei der US Navy näherkommt. Der zweite Flugzeugträger der Gerald-R.-Ford-Klasse schloss am 15. August 2026 seine Abnahmeerprobung auf See ab – ein weiterer wichtiger Schritt, bevor das Schiff offiziell in Dienst gestellt wird. Der Schiffbauer HII erklärte, als Nächstes stehe die vorläufige Abnahme an, während Haushaltsunterlagen der US Navy die Auslieferung für März 2027 vorsehen.
Die bevorstehende Übergabe hat auch die Vergleiche mit HMS Prince of Wales, dem Flaggschiff der Royal Navy und einem der beiden britischen Flugzeugträger der Queen-Elizabeth-Klasse, neu belebt. Forces News gehörte zu den Medien, die untersuchten, wie die beiden Schiffe im Vergleich abschneiden. Die Frage jedoch lediglich als Wettbewerb um Größe zu betrachten, droht die sehr unterschiedlichen Konzepte hinter ihren Konstruktionen zu übersehen.
John F. Kennedy gehört zu einer Schiffsklasse, die auf den Umfang und die globale Reichweite amerikanischer Flugzeugträgereinsätze ausgelegt ist. Nach Angaben der US Navy kommen Schiffe der Gerald-R.-Ford-Klasse auf rund 100.000 Long Tons, bieten Platz für mehr als 75 Luftfahrzeuge und insgesamt etwa 4.660 Personen, darunter Schiffsbesatzung, eingeschiffter Luftverband und Stab.
Prince of Wales ist kleiner und folgt bei Flugbetrieb, Besatzungsstruktur und Antrieb einem anderen Konzept. Bei dem Vergleich geht es daher weniger darum, welcher Flugzeugträger schlicht „besser“ ist, sondern vielmehr darum zu verstehen, wie zwei enge Verbündete unterschiedliche Wege gewählt haben, um Luftmacht auf See zu entfalten.
Die Flugdecks funktionieren nach unterschiedlichen Prinzipien
NAVAIR zufolge nutzen Flugzeugträger der Ford-Klasse das Electromagnetic Aircraft Launch System, kurz EMALS, gemeinsam mit dem Advanced Arresting Gear. Zusammen ermöglichen diese Systeme katapultgestützte Starts und Landungen mit Fangseilen und ersetzen damit die Dampfkatapulte und älteren Fangsysteme früherer Generationen amerikanischer Flugzeugträger.
EMALS ist dafür ausgelegt, Luftfahrzeuge von leichten unbemannten Plattformen bis hin zu schweren Kampfflugzeugen zu starten. Dabei ermöglicht das System eine präzisere Kontrolle der Startgeschwindigkeit und eine gleichmäßigere Beschleunigung. NAVAIR zufolge soll die Technologie zudem den Wartungsaufwand verringern und höhere Einsatzraten ermöglichen. AAG ist für die Landung eines ähnlich breiten Spektrums an Luftfahrzeugen ausgelegt.
HMS Prince of Wales folgt einem anderen Modell. Die Royal Navy gibt eine Mindestbesatzung von rund 700 Personen an, die bei eingeschiffter Luftgruppe auf etwa 1.600 Personen anwächst. Hinzu kommt Kapazität für 36 F-35B sowie Merlin-Hubschrauber.
Diese Kampfflugzeuge nutzen ihre Fähigkeit zu Kurzstarts und vertikalen Landungen anstelle von Katapulten und Fangseilen. Das Flugdeck der Queen-Elizabeth-Klasse endet in einer sechs Meter hohen Skisprungschanze, die es den Flugzeugen ermöglicht, bei niedrigeren Geschwindigkeiten und mit höherer Zuladung abzuheben. Die Royal Navy gibt an, dass die Klasse für 72 Kampfflugzeugeinsätze pro Tag ausgelegt ist. Zwei Flugzeugaufzüge können vier F-35 in etwa einer Minute vom Hangar auf das Flugdeck bringen.
Die maximale Kapazität sollte nicht mit der üblichen Stärke bei einem Einsatz verwechselt werden. Im November 2025 meldete die Royal Navy 24 britische F-35B an Bord der Prince of Wales – damals die größte Zahl, die auf einem der beiden Flugzeugträger der Queen-Elizabeth-Klasse zusammengezogen worden war.
Die Ausdauer prägt die jeweilige Konstruktion
Flugzeugträger der Ford-Klasse nutzen zwei Kernreaktoren, die vier Wellen antreiben. Die US Navy gibt eine Geschwindigkeit von mehr als 30 Knoten an. Der nukleare Antrieb macht es überflüssig, Treibstoff für den Schiffsantrieb mitzuführen, und gibt dem Träger dadurch große Freiheit, über längere Zeit auf See zu bleiben. Flugtreibstoff, Munition, Lebensmittel und Wartungsbedarf machen jedoch weiterhin eine regelmäßige Versorgung notwendig.
Die Reaktoranlage erfüllt noch einen weiteren Zweck. Nach Angaben des Naval Sea Systems Command kann die Gerald-R.-Ford-Klasse etwa dreimal so viel elektrische Energie erzeugen wie frühere amerikanische Flugzeugträgerklassen. Diese zusätzliche Kapazität versorgt energieintensive Systeme wie EMALS und schafft zugleich größeren Spielraum für neue Sensoren und andere Technologien während der geplanten 50-jährigen Dienstzeit der Schiffe.
Prince of Wales setzt dagegen auf konventionellen Antrieb. Die Royal Navy gibt an, dass ihre vier Dieselgeneratoren und zwei Gasturbinen zusammen 109 Megawatt erzeugen können. Damit wird der Flugzeugträger auf mehr als 25 Knoten beschleunigt, während gleichzeitig Waffen, Sensoren und weitere Bordsysteme mit Energie versorgt werden.
Die Kosten lassen sich schwieriger direkt vergleichen. Aussagen vor dem US-Kongress bezifferten die Programmkosten der John F. Kennedy für das Haushaltsjahr 2026 auf rund 13,2 Milliarden Dollar, während die britische Regierung die Baukosten für beide Flugzeugträger der Queen-Elizabeth-Klasse mit 6,3 Milliarden Pfund angegeben hat. Unterschiedliche Beschaffungssysteme, Währungen und Rechnungslegungsmethoden bedeuten, dass diese Zahlen eher als Kontext denn als direkter Maßstab für den Wert betrachtet werden sollten.
Quellen: Forces News, Royal Navy, NAVAIR