Startseite Krieg Kriegsgefangene berichten von gespaltenen Loyalitäten nach Dienst in Russlands Streitkräften

Kriegsgefangene berichten von gespaltenen Loyalitäten nach Dienst in Russlands Streitkräften

Barbed wire Ukraine flag
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Der Konflikt hat Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen in den Militärdienst geführt. Berichte aus der Gefangenschaft vermitteln einen begrenzten Einblick darin, wie sich die lang anhaltenden Kämpfe auf Gemeinschaften unter Besatzung ausgewirkt haben.

In einem Kriegsgefangenenlager in der Westukraine werden russische Soldaten zusammen mit in der Ukraine geborenen Männern festgehalten, die gefangen genommen wurden, während sie in den Streitkräften Moskaus dienten. Laut BBC stammt die letztgenannte Gruppe aus Gebieten im Donbas, die seit 2014 unter russischer oder von Russland unterstützter Kontrolle stehen.

Die Ukraine betrachtet Menschen aus den besetzten Gebieten weiterhin als ukrainische Staatsbürger, selbst wenn sie nach eigenen Angaben eine russische Identität haben. Dadurch sind ungewöhnliche Fälle entstanden, in denen in der Ukraine geborene Männer, die im Kampf für Moskau gefangen genommen wurden, auch wegen Hochverrats angeklagt werden können.

Die Aussagen der Gefangenen vermitteln nur einen begrenzten Eindruck von den Zuständen im russischen Militär. Ihre Berichte geben jedoch einen gewissen Einblick darin, warum sich Männer aus den besetzten Teilen der Ukraine den russischen Streitkräften anschlossen und was sie für die Zukunft erwarten.

Wie die Besatzung die Identität prägte

Anton, ein aus dem Donbas stammender Mann, der von der BBC interviewt wurde, meldete sich nach seinem 18. Geburtstag freiwillig zu den russischen Streitkräften. Er betrachtet sich selbst als Russen und Wladimir Putin als seinen Präsidenten, obwohl er in der Ukraine geboren wurde.

Petro Jazenko von der ukrainischen Koordinierungsstelle für Kriegsgefangene sagte dem britischen Sender, einige der Gefangenen seien stark prorussisch eingestellt, während ihre nationale Identität nur schwer eindeutig zu bestimmen sei.

Jahre unter russisch kontrollierten Bildungs-, Medien- und Regierungsstrukturen bilden einen Teil dieses Hintergrunds. Politische Kontrolle bestimmt nicht automatisch die Loyalität einzelner Menschen, doch die Berichte der Gefangenen zeigen, wie Staatsangehörigkeit und Selbstverständnis voneinander abweichen können.

Warum sich die Männer zum Militär meldeten

Andere Gefangene beschrieben unterschiedliche Wege in den russischen Militärdienst. Ein Mann aus Donezk sagte der BBC, er sei zum Kampf gezwungen worden, während andere angaben, sich aufgrund politischer Unzufriedenheit oder persönlicher Umstände freiwillig gemeldet zu haben.

Konstantin, ein wegen Drogenhandels verurteilter Mann, sagte, der Militärdienst habe ihm eine Alternative zu einer langen Haftstrafe geboten. Die Gefangenen berichteten zudem von schweren Verlusten auf dem Schlachtfeld und davon, dass immer weniger Freiwillige nachkämen, um die Ausfälle zu ersetzen.

Die Gefangenen sagten, ihre Einheiten hätten hohe Verluste erlitten und immer weniger Männer meldeten sich freiwillig, um sie zu ersetzen. Ihre Aussagen vermitteln jedoch nur ein begrenztes Bild der Rekrutierung im gesamten russischen Militär.

Gefangene Soldaten könnten später Teil eines Gefangenenaustauschs sein. Laut BBC sagten mehrere Gefangene aus dem Donbas, sie glaubten, Russland habe es nicht eilig, über ihre Rückkehr zu verhandeln.

Einige fürchten nun, länger in ukrainischer Gefangenschaft bleiben zu müssen als andere russische Gefangene.

Quellen: BBC