2,2 Milliarden US-Dollar an Marktwert verschwanden innerhalb weniger Minuten.
Aktien von Ozon, Russlands zweitgrößtem Online-Marktplatz, brachen an der Moskauer Börse ein, nachdem eine Welle von Drohnenangriffen das Logistiknetzwerk des Unternehmens getroffen hatte.
Laut The Moscow Times fiel die Aktie in der Nacht von Sonntag auf Montag um 27 Prozent und drückte die Kurse auf den tiefsten Stand seit August 2023.
Börsenvertreter griffen sofort ein, stoppten den regulären Handel und zwangen die Aktie in einen spezialisierten Auktionsmodus, nachdem der plötzliche Einbruch fast 185 Milliarden Rubel an Marktwert (rund 2,2 Milliarden US-Dollar) vernichtet hatte.
Dieser starke Rückgang verschärft ein ohnehin schwieriges Jahr für den Einzelhandelsriesen. Hinter den Kulissen hat das Unternehmen seit Januar fast die Hälfte seiner Marktkapitalisierung verloren, da sich die geopolitischen Spannungen verstärken.
Unterdessen breitete sich der finanzielle Schaden schnell auf verbundene Unternehmen aus. Die Investmentfirma AFK Sistema, die eine massive Beteiligung an dem Marktplatz hält, verzeichnete einen Rückgang ihrer eigenen Aktien um 12,4 Prozent auf ein Zehnjahrestief.
Brände im gesamten Netzwerk
Innerhalb von drei turbulenten Tagen bestätigten Unternehmensmitteilungen, dass sechs separate Lagerhäuser beschädigt oder angegriffen wurden. Die Angriffe trafen wichtige Knotenpunkte in Samara und Orenburg, bevor sie sich auf Standorte in der Nähe von Krasnodar und Machatschkala ausbreiteten, wo ein nächtlicher Brand mehrere Arbeiter verletzte.
Zwei weitere Zentren in Adygejsk und Newinnomyssk wurden unter der Bedrohung bevorstehender Angriffe evakuiert. Die Mitarbeiter konnten sich in Sicherheit bringen. Das Management bestätigte, dass keine Waren im Inneren Schaden genommen hatten.
Die gezielte Bekämpfung dieser Logistikzentren stellt eine erhebliche Eskalation dar. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurde Ozon zu einem vorrangigen Ziel, nachdem frühere Angriffe die Konkurrenzplattform Wildberries getroffen hatten, wo Attacken Waren im Wert von Milliarden zerstörten.
Marktanalysten warnen, dass anhaltende Lieferengpässe das allgemeine Anlegervertrauen beeinträchtigen könnten. Insbesondere stellte Wladimir Tschernow, Analyst bei Freedom Global, fest, dass steigende Risiken den breiteren Moskauer Börsenindex um 2,5 Prozent nach unten zogen.
Dividenden auf Eis gelegt
Die Ungewissheit über die physischen Verluste zwingt Experten, ihre Ausschüttungsprognosen zu überdenken. Andrej Scharow, Analyst bei BCS, berichtete, dass Ozon möglicherweise bevorstehende Dividendenzahlungen aussetzen müsse, während die Führung die operativen Schäden bewerte.
Angesichts branchenweiter Verluste, die sich einer Billion Rubel nähern, stehen die russischen Finanzmärkte weiterhin unter Druck, da Marktanalysten von PSB mögliche Rekordtiefs prognostizieren.