Startseite Verbrechen Diebe schlagen binnen Minuten zu und verschwinden mit Renaissance-Schätzen

Diebe schlagen binnen Minuten zu und verschwinden mit Renaissance-Schätzen

Antonello da Messina’s 1473 San Gregorio Polyptych at the Museo Regionale Accascina in Messina, before three of its surviving panels were stolen in August 2026.
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Die Behörden versuchen nachzuvollziehen, wie vier Renaissance-Gemälde trotz funktionierender Alarmanlage und Videoüberwachung entfernt werden konnten. Die Ermittler prüfen die Bewegungen des Personals, forensisches Material und Aufnahmen von Straßen in der Umgebung.

Vier Werke des Renaissance-Malers Antonello da Messina wurden am 15. August aus dem Museo Regionale Accascina in Messina gestohlen. Drei davon waren erhaltene Teile des Polyptychons des heiligen Gregor, beim vierten handelte es sich um eine kleinere doppelseitige Andachtstafel. Der Kunstexperte Alberto Fiz bezifferte den Wert der gestohlenen Werke laut Associated Press auf 70 bis 80 Millionen Euro.

Die Diebe entfernten alle fünf erhaltenen Tafeln des Polyptychons, ließen jedoch zwei davon bei ihrer Flucht vor dem Museum zurück. Nach Angaben von ANSA, der nationalen italienischen Nachrichtenagentur, gehen die Ermittler davon aus, dass mindestens vier Personen an der Tat beteiligt waren. Zwei sollen das Museum betreten haben, während die anderen draußen warteten. Der Diebstahl im Inneren dauerte demnach etwa zwei Minuten.

Der Zeitpunkt verschaffte der Gruppe eine ungewöhnliche Gelegenheit. Die Tat ereignete sich an Ferragosto, dem großen italienischen Feiertag am 15. August, als Tausende Einwohner an der Vara-Prozession in Messina teilnahmen und die örtlichen Sicherheitskräfte durch die Veranstaltung stark gebunden waren.

Die spätere Auswertung der Überwachungsaufnahmen bestätigte, dass sich die vier für das Gebäude eingeteilten Aufseher während des Diebstahls im Museum befanden. Auch die Alarmanlage wurde ordnungsgemäß ausgelöst, doch ein Mitarbeiter schaltete sie ab, weil man von einem Fehlalarm ausging.

Sicherheitsabläufe geraten stärker in den Fokus

Ein großer Teil der Ermittlungen konzentriert sich nun darauf, wie schnell sich die Täter durch ein gesichertes Gebäude bewegen konnten. Die Ermittler haben Aufnahmen von Kameras rund um das Museum und an nahe gelegenen Straßen ausgewertet, ebenso wie Aufzeichnungen aus den Tagen zuvor, um Hinweise darauf zu finden, ob Mitglieder der Gruppe das Gebiet bereits im Vorfeld aufgesucht hatten.

Die Ermittler prüfen außerdem Mobilfunkdaten aus der Umgebung des Museums. Nach Angaben von ANSA wird untersucht, ob sich während des Diebstahls Geräte in nahe gelegene Funkmasten eingewählt haben, die dort in den Tagen zuvor nicht registriert worden waren. Ziel ist es, Personen zu identifizieren, die möglicherweise bei der Planung oder Koordinierung des Einbruchs geholfen haben.

Die Spurensicherung stellte mehrere Spuren sicher, die mutmaßlich von den Tätern stammen. Die Staatsanwaltschaft verfolgt mehrere mögliche Erklärungen für die Tat, darunter Unterstützung aus dem Inneren des Museums und eine Beteiligung der organisierten Kriminalität. Für keine dieser Annahmen gibt es bislang einen Beleg.

Ein Aufseher steht besonders im Fokus, weil die Ermittler Berichten zufolge Widersprüche in seiner Aussage festgestellt haben, vor allem hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs. Späteren Berichten von ANSA zufolge lag jedoch keine formelle Bestätigung dafür vor, dass er als Beschuldigter geführt wurde.

Eine von den sizilianischen Regionalbehörden angeordnete Verwaltungsprüfung ergab, dass die Alarmtechnik ordnungsgemäß funktioniert hatte, stellte jedoch Mängel bei der Umsetzung der vorgeschriebenen Sicherheitsverfahren durch das Personal fest. Mit Stand vom 25. August warteten die Behörden noch auf zusätzliches Material des Museumsdirektors, bevor sie darüber entscheiden wollten, ob gegen die vier Aufseher formell Disziplinarverfahren eingeleitet werden. Bis dahin waren sie beurlaubt und vorläufig versetzt worden, während die Verwaltungsentscheidungen noch ausstanden.

Das Werk von 1473 überdauerte Jahrhunderte

Das Polyptychon des heiligen Gregor ist seit mehr als fünf Jahrhunderten mit Messina verbunden. Das Museo Regionale Accascina führt das Werk als signiert und auf das Jahr 1473 datiert und gibt an, dass es von Fabria Cirino, der Äbtissin des Klosters Santa Maria extra moenia, in Auftrag gegeben wurde. Ursprünglich bestand es aus sechs Holztafeln.

Im Zentrum der Komposition standen die Jungfrau Maria und das Jesuskind. Auf den übrigen Tafeln waren die Heiligen Gregor und Benedikt sowie Szenen der Verkündigung dargestellt. Die obere Mitteltafel, die vermutlich den toten Christus zeigte, der von Engeln gestützt wurde, war bereits zu einem früheren Zeitpunkt verloren gegangen. Auch der aufwendig gestaltete ursprüngliche Rahmen ist nicht erhalten.

Messinas künstlerisches Erbe wurde wiederholt durch Zerstörung schwer getroffen. Das verheerende Erdbeben von 1908 verwüstete weite Teile der Stadt und legte zahlreiche religiöse, öffentliche und private Gebäude in Trümmer. Die Sammlungen des Museums wurden anschließend um Kunstwerke erweitert, die aus den Ruinen geborgen worden waren. So konnten Objekte erhalten werden, die nicht mehr an ihren ursprünglichen Standorten verbleiben konnten.

Offizielle sizilianische Kulturverzeichnisse haben das Polyptychon als das einzige Werk Antonellos beschrieben, das in seiner Heimatstadt verblieben war. Diese ununterbrochene Verbindung macht den Diebstahl zu mehr als einem Verlust, der sich allein am geschätzten Marktwert bemessen lässt. Die erhaltenen Tafeln sind Teil des kulturellen Gedächtnisses einer Stadt, die immer wieder gezwungen war, Fragmente ihrer Vergangenheit zu bergen und zu bewahren.

Quellen: Associated Press, ANSA, Museo Regionale Accascina