Ein ungewöhnliches Treffen auf hoher Ebene hat Fragen darüber aufgeworfen, was tatsächlich besprochen wurde. Die öffentlichen Darstellungen der Gespräche stimmen nicht vollständig überein.
Präsident Donald Trump hat den Moskau-Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe vor allem mit den Bemühungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine in Verbindung gebracht. US-Medien berichteten jedoch, dass die Gespräche über den Konflikt hinausgingen und auch umfassendere Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit Russland und dessen Beziehungen zum Westen umfassten.
The Wall Street Journal berichtete zuerst, dass Ratcliffe russische Vertreter vor einem Angriff auf ein NATO-Mitglied gewarnt habe. Der Zeitung zufolge haben Einschätzungen der US-Geheimdienste die Sorge verstärkt, dass Moskau in den kommenden Jahren versuchen könnte, die Entschlossenheit des Bündnisses mit einem „begrenzten Angriff“ auf die Probe zu stellen.
CBS News bestätigte die Berichte über die Warnung im Zusammenhang mit der NATO unabhängig und berichtete zudem, dass während Ratcliffes Besuch auch der Iran Thema gewesen sei. Dies deutet darauf hin, dass bei den Gesprächen mehrere bedeutende internationale Sicherheitsfragen behandelt wurden und nicht ausschließlich die Ukraine im Mittelpunkt stand.
Ukraine-Gespräche im Mittelpunkt
Trump spielte die Bedeutung von Ratcliffes Mission während eines Interviews mit dem konservativen Radiomoderator Glenn Beck herunter und stellte den Moskau-Besuch als Teil der umfassenderen Bemühungen Washingtons dar, den Krieg in der Ukraine zu beenden.
„Er ist dort, gewissermaßen im Rahmen eines halbwegs routinemäßigen Besuchs. Ich möchte die Leute nur ungern enttäuschen. Wir würden gerne sehen, dass der Krieg in der Ukraine endet“, sagte Trump.
Der Kreml bestätigte, dass Ratcliffe während seines Aufenthalts in Moskau mit Vertretern russischer Geheimdienste zusammentraf, jedoch keine direkten Gespräche mit Präsident Wladimir Putin führte. Russische Vertreter erklärten, Putin sei später über die Gespräche unterrichtet worden.
CBS News berichtete außerdem, dass Ratcliffe während des Besuchs den Iran ansprach und davor warnte, dass weitere Sanktionen folgen könnten, falls die Straße von Hormus weiterhin für den Schiffsverkehr geschlossen bleibe. Damit wurde ein weiteres bedeutendes internationales Thema Teil der Gespräche.
Frühere CIA-Kontakte sind von Bedeutung
Artikel 5 der NATO betrachtet einen bewaffneten Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle. Die Verbündeten sind verpflichtet, Unterstützung zu leisten, wobei jedes Land selbst entscheidet, welche Maßnahmen es als Reaktion auf einen solchen Angriff für notwendig erachtet.
AFP berichtete, dass der damalige CIA-Direktor William Burns im November 2021 nach Moskau reiste und Russland vor einer Invasion der Ukraine warnte.
Die CIA war zudem an früheren Verhandlungen über Gefangenenaustausche zwischen den USA und Russland beteiligt. Dies zeigt, dass Geheimdienstkanäle auch in Zeiten angespannter Beziehungen weiterhin als Kontaktweg dienten.
Quellen: AFP, The Wall Street Journal, CBS News, NATO