Ein interner Streit über die kommerzielle Kontrolle hat sich zu einem juristischen Verfahren zur Beweiserhebung entwickelt. Der Ausgang könnte weitreichendere Folgen für die Führung des internationalen Fußballs haben.
UEFA wendet sich im Rahmen ihrer Vorbereitungen an US-Gerichte, bevor sie entscheidet, ob sie in der Schweiz Strafanzeige gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino erstattet.
Laut Reuters hat UEFA einen Antrag auf Zugang zu Unterlagen gestellt, die sich im Besitz von FIFA Americas und FWC2026 US befinden, zwei in Florida tätigen FIFA-Einheiten. Der Antrag dient der Beweiserhebung und stellt noch nicht den Beginn eines Schweizer Strafverfahrens dar.
Die angeforderten Unterlagen betreffen die Entstehung, Entwicklung und interne Handhabung von FIFA Forward Enterprise, kurz FFE. Das geplante kommerzielle Projekt wurde im Juli öffentlich vorgestellt, jedoch bereits wenige Tage später nach erheblichem Widerstand innerhalb des internationalen Fußballs aufgegeben.
Fragen zur internen Handhabung
UEFA wirft Infantino und einer kleinen Gruppe vor, FFE entwickelt zu haben, ohne den FIFA-Rat, die regionalen Konföderationen oder die 211 Mitgliedsverbände der FIFA angemessen einzubeziehen. Die Organisation hat Fragen dazu aufgeworfen, wie der Vorschlag intern vorbereitet wurde und in welchem Umfang er vor seiner Veröffentlichung diskutiert worden war. Diese Vorwürfe wurden in einem Schweizer Strafverfahren bislang weder geprüft noch bestätigt.
FIFA stellte die Angelegenheit anders dar, als sie FFE am 28. Juli ankündigte. Nach Angaben des Verbands sollte die neue, vollständig im Besitz der FIFA befindliche Tochtergesellschaft kommerzielle Rechte und die Organisation von Veranstaltungen unter einer Struktur bündeln und zugleich Minderheitsbeteiligungen externer Investoren ohne Kontrollrechte ermöglichen. FIFA erklärte, auf Grundlage einer anfänglichen Unternehmensbewertung von 20 Milliarden Dollar bis zu 4,2 Milliarden Dollar einwerben zu wollen.
Der Vorschlag hätte ohne die Zustimmung einer Mehrheit der FIFA-Mitgliedsverbände sowie die erforderlichen Genehmigungen des FIFA-Rats nicht umgesetzt werden können. Laut FIFA bestand das Ziel darin, zusätzliche kommerzielle Einnahmen zu erzielen und mehr Geld in die Entwicklung des Fußballs weltweit zu lenken.
Vorschlag letztlich zurückgezogen
Infantino gab FFE am 31. Juli auf, nur wenige Tage nachdem der Plan öffentlich gemacht worden war. Bei der Bekanntgabe der Entscheidung räumte er ein, dass der Vorschlag zu Spaltungen innerhalb des internationalen Fußballs geführt habe, und erklärte, das Projekt werde nicht weiterverfolgt.
Die Kontroverse ist jedoch auch nach dem Scheitern des Projekts nicht abgeklungen. UEFA bemüht sich nun um Unterlagen dazu, wie FFE innerhalb der FIFA entwickelt und intern behandelt wurde.
Infantino bleibt Kandidat bei der nächsten Präsidentschaftswahl der FIFA, die für den 18. März 2027 in Rabat, Marokko, angesetzt ist. Bei der Abstimmung wird entschieden, ob er den Weltfußballverband weiterhin führt – nach einer Phase, die vom Streit um FFE und dessen anschließender Aufgabe geprägt war.
Quellen: Reuters