Fussballfans weltweit fordern den sofortigen Rücktritt von FIFA-Präsident Gianni Infantino nach gescheiterten Plänen für private Investitionen und Vorwürfen politischer Einflussnahme.
Fussballfans auf sechs Kontinenten fordern den sofortigen Rücktritt von FIFA-Chef Gianni Infantino.
Eine auf change.org gestartete Petition hat rasch an Dynamik gewonnen und fordert eine grundlegende Umgestaltung des Weltfußballverbandes.
Ärger braute sich zusammen, nachdem Infantino einen ehrgeizigen Vorschlag vorangetrieben hatte, private Investoren in große Turniere einzubinden.
Der umstrittene Plan, der sich sowohl auf die Weltmeisterschaften der Männer als auch der Frauen bezog, wurde schließlich nach heftigen internen Gegenreaktionen verworfen.
Die Unzufriedenheit innerhalb der Institution erreichte ihren Siedepunkt, als drei Regionalverbände einen offenen Brief veröffentlichten, in dem sie unehrliche Praktiken anpragerten.
Die UEFA ging noch weiter und warnte, sie werde sich aufgrund eines totalen Vertrauensbruchs von kommenden Turnieren zurückziehen, wie The Guardian berichtet.
Vertrauensbruch
Dem Guardian zufolge genießt Infantino in Teilen Südamerikas und Afrikas weiterhin Unterstützung.
Dennoch haben sich nun organisierte Fan-Netzwerke auf der ganzen Welt zusammengeschlossen, um sich seiner Führung entgegenzustellen.
Fanvertreter sparten in einer gemeinsamen Erklärung zu dem umstrittenen Investitionsplan nicht mit deutlicher Kritik.
Sie beschrieben die geheimen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen als einen Verrat, den der Fußball nie vergessen werde.
„Ein Präsident, der den Fußball wiederholt verrät und unseren Sport ins Lächerliche zieht, hat das Recht verloren, ihn zu führen“, hieß es in der Erklärung. „Für die Glaubwürdigkeit der FIFA – und für die Zukunft des Sports – muss er zurücktreten.“
Forderungen nach Umstrukturierung
Die Absetzung Infantinos ist nur der Ausgangspunkt der Kampagne. Die Fans fordern strukturelle Reformen, die Unterstützern und wichtigen Interessengruppen einen formellen Sitz am Entscheidungstisch garantieren.
Laut Ronan Evain hat die derzeitige Führung die 2016 beschlossenen statutarischen Änderungen effektiv außer Kraft gesetzt.
Infolgedessen benötigt der Verband eine Grundsanierung von unten auf und nicht nur geringfügige Anpassungen der Statuten.
Er schlug vor, außerhalb traditioneller Sportmodelle nach frischen Ideen zu suchen, und verwies auf rotierende Präsidentschaften als möglichen Weg nach vorne.
Unterdessen berichtete The Guardian, dass die FIFA um eine Stellungnahme gebeten wurde.
Neue Fragen zur Unabhängigkeit der FIFA
Die Kontroverse um Infantino hat sich auch auf die Weltmeisterschaft selbst ausgeweitet.
Reuters berichtet, dass der Chef der Premier-League-Schiedsrichter, Howard Webb, und CEO Richard Masters ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Entscheidung geäußert haben, die Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun nach seiner Roten Karte aufzuheben – nach politischem Druck von US-Präsident Donald Trump.
Webb sagte, er sei besonders besorgt über die Wahrnehmung, dass politischer Einfluss die Disziplinarentscheidungen der FIFA beeinflussen könnte.
Masters bezeichnete den Vorfall ebenfalls als schwer nachvollziehbar und argumentierte, dass das Regelwerk der FIFA keinen klaren Mechanismus für die Aufhebung der Sperre biete.
Der Vorfall verleiht den wachsenden Fragen zu Infantinos Führung eine weitere Dimension: Kritiker hinterfragen nun nicht mehr nur die interne Führung der FIFA, sondern auch die Unabhängigkeit und Transparenz ihres Disziplinarsystems.