Startseite KI Stromhungrige KI-Rechenzentren stoßen von Schottland bis Texas auf Widerstand

Stromhungrige KI-Rechenzentren stoßen von Schottland bis Texas auf Widerstand

Aerial view of a large data center complex with modern buildings and infrastructure in a rural landscape in Europe
Shutterstock

Riesige Rechenzentren geraten wegen ihres Strom- und Wasserverbrauchs sowie der Belastung der öffentlichen Infrastruktur zunehmend unter Beobachtung. Lokale Konflikte beeinflussen inzwischen die Entscheidungen darüber, wo neue Projekte umgesetzt werden können.

Künstliche Intelligenz mag über Software zu den Nutzern gelangen, doch der Ausbau der Rechenkapazität erfordert den Bau großflächiger Industrieanlagen voller Server, Kühlsysteme und elektrischer Infrastruktur. In Schottland hat das Ausmaß der geplanten Ausbauvorhaben eine Frage, die früher womöglich vor allem Fachleute in der Raumplanung beschäftigt hätte, zu einem weit breiteren öffentlichen Streit gemacht.

In einer Resolution, die der Nationalrat der Scottish National Party im Juli verabschiedete und über die The Guardian berichtete, war von 24 Hyperscale-Projekten in unterschiedlichen Planungsphasen die Rede. Zusammengenommen könnten die Vorhaben mehr als das Eineinhalbfache des schottischen Spitzenstromverbrauchs benötigen.

Zu den bekanntesten Projekten gehört eine geplante Anlage mit einer Leistung von 600 Megawatt in Auchtertool nördlich von Edinburgh. Gegen das Vorhaben waren rund 1.600 Einwände eingereicht worden. Auch gegen Projekte in der Nähe von Airdrie und Larbert formierte sich Widerstand. Die Bedenken reichen vom Strom- und Wasserverbrauch über Lärm und Emissionen bis hin zur schieren Größe der geplanten Industriegebäude in der Nähe bestehender Siedlungen.

Lesley Backhouse, eine Kommunalpolitikerin, die sich am Widerstand gegen den Bauboom beteiligt, bezeichnete das Ausmaß der Vorhaben als „extreme Überentwicklung“.

Der öffentliche Druck hat bereits zu regulatorischen Änderungen geführt. Für große Anlagen mit mehr als 50 Megawatt gelten inzwischen zusätzliche Meldepflichten gegenüber der Regierung, während unter bestimmten Umständen Umweltverträglichkeitsprüfungen erforderlich sind.

Der Strombedarf verändert die Ausgangslage

Die Energiefrage ist in den Mittelpunkt der Debatte gerückt, weil Rechenzentren der neuesten Generation einen Strombedarf haben können, wie er bei einzelnen kommerziellen Projekten nur selten vorkommt.

In Großbritannien herrscht bereits ein starker Wettbewerb um Anschlüsse an das Stromnetz. Das veranlasst einige Entwickler dazu, eigene Stromerzeugung oder Reservesysteme in Betracht zu ziehen. Dazu können gasbefeuerte Kraftwerke und eine große Zahl von Dieselgeneratoren gehören. Damit verlagert sich ein Teil der Debatte von der Frage, ob genügend Strom vorhanden ist, hin zu der Frage, wie dieser Strom erzeugt werden soll.

Eine Analyse der gemeinnützigen Organisation Foxglove, über die The Guardian berichtete, untersuchte zwei geplante Anlagen in Buckinghamshire und Bedfordshire. Foxglove schätzte, dass sie im Vollbetrieb jährlich mehr als 4,5 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen verursachen könnten. Zum Vergleich: Den britischen Aktivitäten von ExxonMobil wurden 2023 3,9 Millionen Tonnen zugerechnet. Die beiden Standorte hätten zusammen einen Strombedarf von 1,3 Gigawatt; die Pläne sahen zudem eine gasbetriebene Stromerzeugung vor Ort vor.

Texas liefert einen weiteren Hinweis auf das mögliche Ausmaß. Das Büro von Gouverneur Greg Abbott erklärte, ERCOT prüfe Anschlussanfragen an das wichtigste Stromnetz des Bundesstaates mit einer Gesamtleistung von mehr als 474 Gigawatt – mehr als das Fünffache des bisherigen Rekordwerts beim Spitzenbedarf. Nach Angaben des Gouverneursbüros stammten rund 90 Prozent dieser Anfragen von Rechenzentren. Viele Anträge dürften jedoch nie zu tatsächlich betriebenen Anlagen führen. Die Warteschlange für Netzanschlüsse ist daher eher ein Hinweis auf das Interesse der Entwickler als eine Prognose des tatsächlichen Verbrauchs.

Abbott ordnete anschließend eine Überprüfung von Rechenzentrumsprojekten an, bevor weitere Anschlüsse erfolgen können.

Wähler beeinflussen die Ausbaupolitik

Die Debatte über die Infrastruktur wird zunehmend auch an den Wahlurnen sichtbar.

Eine im März von Gallup veröffentlichte Umfrage ergab, dass 71 Prozent der Amerikaner den Bau eines KI-Rechenzentrums in ihrer Umgebung ablehnten. Fast die Hälfte, 48 Prozent, sprach sich entschieden dagegen aus. Unabhängig von politischer Zugehörigkeit, Alter, Einkommen und Bildungsniveau lehnte jeweils eine Mehrheit den Bau solcher Anlagen vor Ort ab.

Ein besonders deutliches Beispiel lieferte Utah bei einer Wahl im Juni. Der Präsident des Senats von Utah, J. Stuart Adams, verlor die republikanische Vorwahl nach monatelangen Kontroversen um ein großes Rechenzentrumsprojekt, das er unterstützt hatte. The Salt Lake Tribune berichtete, die Nachwirkungen des Projekts hätten Adams im Wahlkampf belastet. Damit war das Ergebnis eines der deutlichsten Anzeichen dafür, dass Infrastrukturpolitik bei Wahlen zu einer politischen Belastung werden kann.

New York ist mit Maßnahmen auf Ebene des Bundesstaates noch weiter gegangen. Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnete im Juli einen Exekutiverlass, mit dem ein einjähriges Moratorium für neue Hyperscale-Rechenzentren verhängt wurde. Die Erteilung von Umweltgenehmigungen des Bundesstaates wird damit vorübergehend ausgesetzt, während die Behörden einen neuen regulatorischen Rahmen erarbeiten.

Hochul sagte, die Entwicklung drohe, „die Stromrechnungen in die Höhe zu treiben“ und „unsere natürlichen Ressourcen aufzubrauchen“.

Auch die Beschäftigung spielt bei der Bewertung vor Ort eine Rolle. The Wall Street Journal berichtete, dass rund 1.500 Arbeitskräfte am Bau der Stargate-Anlage in Abilene, Texas, beteiligt waren, während nach der Fertigstellung voraussichtlich rund 100 Vollzeitbeschäftigte die Anlage betreiben sollten.

Wirtschaftlicher Nutzen bleibt schwer messbar

Technologieunternehmen haben einen klaren Grund, zusätzliche Kapazitäten zu erschließen. Fortschrittlichere Systeme benötigen enorme Mengen spezialisierter Prozessoren, während die zunehmende Verbreitung von Programmierwerkzeugen, automatisierten Assistenten und anderen Diensten die Nachfrage nach Rechenressourcen weiter erhöht.

Unklar bleibt jedoch, ob die breiteren wirtschaftlichen Vorteile letztlich im Verhältnis zu der Infrastruktur stehen werden, die derzeit gebaut wird.

Rechenzentren können während der Bauphase Bauaufträge, Steuereinnahmen und Investitionen bringen. Langfristig kann ihr Beschäftigungseffekt jedoch im Vergleich zu Fabriken, Büros oder anderen Projekten mit ähnlich großem Flächenbedarf gering sein. Der Strombedarf kann zudem dazu führen, dass zusätzliche Kosten für Stromerzeugung, Übertragung und Netzausbau zum Gegenstand von Verhandlungen zwischen Entwicklern, Regulierungsbehörden und Kommunen werden.

Die Auswirkungen reichen über einzelne Gemeinden hinaus. Ausgaben für Halbleiter, Ausrüstung für die Stromversorgung und Rechenzentren sind zu einem wichtigen Bestandteil der Investitionspläne großer Technologieunternehmen geworden. Damit hängen Zulieferer, Versorgungsunternehmen und Finanzmärkte zunehmend von der Erwartung ab, dass die Nachfrage weiter wachsen wird.

Für Anwohner in der Nähe geplanter Standorte können diese finanziellen Zusammenhänge fern wirken. In Planungssitzungen geht es stattdessen um konkrete Veränderungen vor Ort: zusätzliche Infrastruktur für die Stromversorgung, Wasserbedarf, industrielle Flächennutzung, Notstromversorgung und die Zahl der dauerhaften Arbeitsplätze, die voraussichtlich bestehen bleiben, wenn die Bautrupps den Standort verlassen haben.

Von Schottland bis Texas stoßen geplante Rechenzentren auf Hindernisse, die sich nicht allein mit Geld lösen lassen. Lokaler Widerstand, strengere Umweltprüfungen und politischer Gegenwind beeinflussen zunehmend, wo Projekte umgesetzt werden können.

Quellen: The Guardian, Gallup, The Wall Street Journal, The Salt Lake Tribune, Office of the Texas Governor