Der internationale Handel mit antiken Objekten ist erneut verstärkt in den Fokus gerückt, da Gerichte Transaktionen im Zusammenhang mit bedeutenden Sammlungen prüfen. Das Verfahren in Hamburg ist Teil einer umfassenderen Untersuchung, die sich über mehrere Länder erstreckt.
Ein Hamburger Gericht hat ein Geschwisterpaar wegen Geldwäsche von Erlösen verurteilt, die mit dem Verkauf ägyptischer Antiquitäten in Verbindung stehen. Ermittler gehen davon aus, dass die Objekte aus illegalen Ausgrabungen stammen.
Das Gericht ordnete die Einziehung von 26 Millionen Euro vom Bruder sowie weiterer 6 Millionen Euro von seiner Schwester an. Arab News berichtet, dass die beiden im Rahmen des Urteils außerdem zu Geldstrafen von mehr als 90.000 Euro beziehungsweise 30.000 Euro verurteilt wurden.
Obwohl das Gericht die Identität der Angeklagten nicht öffentlich bekannt gab, schreibt The Art Newspaper, dass es in dem Verfahren um Abraham Simonian und Alice Simonian Schad geht, die Kinder des Hamburger Antikenhändlers Serop Simonian. Beide Angeklagten haben gegen die Entscheidung Berufung eingelegt.
Museumsverkäufe prägten den Fall
Zu den in dem Fall untersuchten Objekten gehörten eine Büste der Kleopatra, eine geschnitzte Stele mit dem Namen Tutanchamuns sowie Grabbeigaben, die mit einer ägyptischen Prinzessin in Verbindung stehen.
Mehrere der Stücke wurden vom Louvre Abu Dhabi erworben, während ein Goldsarkophag, der mit den weitergehenden Ermittlungen in Verbindung steht, in die Sammlung des Metropolitan Museum of Art in New York gelangte. The Art Newspaper bezifferte den Gesamtwert der Verkäufe an die beiden Museen auf rund 70 Millionen Euro.
Der Hamburger Richter bezeichnete die Objekte als „einzigartige Kulturschätze“ und das Verfahren als einen „hochkomplexen Rechtsfall“.
Fragen der Provenienz sind bei antiken Artefakten von besonderer Bedeutung, da die Dokumentation dazu beitragen kann, festzustellen, ob Museen, Sammler und Händler eine rechtmäßige Eigentumshistorie für die von ihnen erworbenen Objekte nachweisen können.
Behörden verfolgten die Geldströme
Die finanziellen Spuren reichten weit über die einzelnen Museumsverkäufe hinaus, die im Mittelpunkt des Falls stehen. Rund 200 Antiquitäten wurden 2021 in Antwerpen beschlagnahmt. Laut von The Art Newspaper zitierten Polizeiunterlagen waren die Objekte auf den Namen Abraham Simonian registriert.
Der Publikation zufolge hatten deutsche Behörden zuvor 4,6 Millionen Euro von Konten bei sechs Banken sowie Immobilien im Wert von 16,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Ermittler fanden außerdem Antiquitäten, antike Goldmünzen und eine Sammlung von Luxusuhren in seinem Wohnsitz in Hamburg.
Ein gesonderter Vorwurf, Abraham Simonian habe sich am organisierten Handel mit gestohlenem Eigentum beteiligt, wurde wegen unzureichender Beweise fallen gelassen.
Nach Angaben von The Art Newspaper war das Hamburger Urteil die erste europäische Gerichtsentscheidung im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Simonian.
Quellen: The Art Newspaper, Arab News