Jedes Mal, wenn Sie Ihr Smartphone entsperren, tritt ein unsichtbares System in Aktion, das Ihnen genau das liefert, was Ihre Augen am Bildschirm fesseln wird. Millionen von Menschen akzeptieren diesen endlosen Strom maßgeschneiderter Videos als normalen Bestandteil ihres täglichen Lebens. Nun möchte ein Land den Menschen einen Ausweg bieten.
Die australische Regierung hat kürzlich eine neue Gesetzgebung vorgeschlagen, die Technologieunternehmen dazu zwingen würde, Nutzern das Abschalten von Inhaltsalgorithmen zu ermöglichen. Daraufhin entschied sich die Guardian-Reporterin Caitlin Cassidy, zu erkunden, wie diese digitale Landschaft aussehen würde.
Um diese zukünftige Realität zu testen, nutzte sie eine versteckte Instagram-Einstellung, um alle Empfehlungen künstlicher Intelligenz für volle 24 Stunden zu deaktivieren.
Um das Experiment authentisch zu gestalten, entfolgte sie allen Personen, die sie im realen Leben nicht kannte, und löschte Promi-Köche sowie Comedy-Accounts aus ihrer Liste.
Die Ergebnisse waren unmittelbar und verblüffend. Nach nur zehn Minuten des Scrollens durch ihren neu eingeschränkten chronologischen Feed hatte Cassidy keinerlei neue Beiträge mehr.
Die App zeigte ihr eine Nachricht an, die besagte, sie habe das Ende ihrer Updates für den vergangenen Monat erreicht. Der plötzliche Mangel an Material führte dazu, dass sie sich völlig orientierungslos fühlte, und sie öffnete die Anwendung aus reiner Gewohnheit immer wieder, nur um einen leeren Bildschirm vorzufinden.
Eine leere Erfahrung
Ohne den ständigen Strom viraler Clips fühlte sich ihr verbleibender sozialer Kreis überraschend hohl an. Anstatt echter Lebensmomente teilten Freunde hauptsächlich Updates über persönliche Projekte oder Unternehmenspartnerschaften.
Sie beobachtete, dass Menschen die Plattform hauptsächlich zur Selbstvermarktung nutzten, anstatt echte Kontakte zu knüpfen. Diese ernüchternde Realität verdeutlicht ein Kernproblem, das australische Gesetzgeber beheben wollen, da Beamte befürchten, unkontrollierte Algorithmen hielten Nutzer in gefährlichen Online-Räumen gefangen.
Regulierungsbehörden verweisen auf die schnelle Verbreitung extremer politischer Ansichten und schädlicher Körperbild-Trends. Cassidy gab zu, dass ihr eigener Feed größtenteils harmlose Inhalte wie Zusammenfassungen von Reality-TV-Sendungen und tanzende Hunde zeigte.
Dennoch beeinträchtigte das schiere Volumen der endlosen Unterhaltung ihre tägliche Konzentration erheblich, was sie dazu veranlasste, in ihrer Mittagspause ein Buch zu lesen, anstatt auf einen Bildschirm zu starren. Das Abschalten ließ sie erkennen, dass der ständige digitale Konsum einen verborgenen Preis hatte.
Ihre abschließende Erkenntnis war, dass der Algorithmus „mein Gehirn betäubte und meine eigenen Gedanken zu Brei machte.“
Quellen: The Guardian