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Henrich Himmlers Archäologe in Schweden: Wie NS-Forschung unbeabsichtigt die Geschichte rettete

Ancient rock carvings from the Bronze Age near Strömstad. Two men in boats raising spears, with deer and several dogs around them, depict a mythological hunt
art of line / Shutterstock.com

Historische Geheimnisse zu entschlüsseln bedeutet oft, dunkle Kapitel der Vergangenheit zu durchforsten. Propagandakampagnen haben unzählige verdrehte Aufzeichnungen hinterlassen, doch manchmal bewahren die Werkzeuge, die zur Verbreitung von Lügen geschaffen wurden, entscheidende Wahrheiten für kommende Generationen.

Im Jahr 1935 gründete der NS-Führer Heinrich Himmler die Organisation „Ahnenerbe“. Das offizielle Ziel war die Erforschung des deutschen Kulturerbes, doch die eigentliche Mission bestand darin, wissenschaftliche Beweise für die NS-Ideologie zu finden. Nur wenige Tage nach der Gründung der Gruppe entsandte Himmler den Historiker Herman Wirth nach Schweden, um alte nordische Felsritzungen zu untersuchen.

Wirth glaubte, eine mythische nordische Herrenrasse habe die erste Religion und das erste Schriftsystem geschaffen. Er behauptete, Beweise dafür seien in skandinavischen Petroglyphen verborgen, die er als direkte Vorläufer der germanischen Runen ansah.

In den Jahren 1935 und 1936 fertigte Wirth 221 äußerst detaillierte Gipsabdrücke von Felszeichnungen in Schweden, Norwegen und Dänemark an. Er argumentierte, schreibt HistorieNet, dass die Ritzungen an der schwedischen Westküste die ältesten Symbole der Menschheitsgeschichte enthielten.

Unerwartete Präzision

Die von Wirth verwendeten Methoden waren aufwendig. Teams bauten Holzrahmen an Felswänden, dichteten diese mit Ton ab, trugen Seifenwasser auf und gossen Gips, der mit Eisengittern verstärkt war. Wirth inspizierte persönlich jeden Abguss und bestand auf Gips statt billigerer Fotos, da schräges Atelierlicht winzige, für das bloße Auge unsichtbare Einschnitte sichtbar machte.

Diese obsessive Arbeit endete abrupt im Jahr 1937. Wirth geriet mit Himmler wegen Theorien aneinander, wonach Frauen in alten Gesellschaften spirituelle Macht besaßen, was der NS-Ideologie widersprach. Wirth wurde verdrängt, und seine Abgüsse wurden in Berlin und Österreich eingelagert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Abgüsse nach Schweden verschifft. Die meisten befinden sich heute im Västergötland Museum und in den Staatlichen Historischen Museen in Stockholm.

Rettung der Vergangenheit

Forscher untersuchen diese Abgüsse heute aktiv, um Umweltschäden im Laufe der Zeit zu verfolgen. Durch den Vergleich der Repliken aus den 1930er-Jahren mit modernen Felswänden können Wissenschaftler die Auswirkungen von saurem Regen, Klimawandel und menschlicher Aktivität auf das fragile Kulturerbe messen.

Laut dem schwedischen Forscher Mattias Legnér von der Universität Uppsala, der eine Studie über Wirths Arbeit veröffentlichte, liegt das Paradox darin, wie fehlerhafte Motive unschätzbare Daten hervorbrachten. Dennoch warnt Legnér davor, dass die dunkle Entstehungsgeschichte der Objekte niemals vergessen werden dürfe. Er schreibt, dass die rassistischen Ideen hinter ihrer Entstehung kritisch hinterfragt werden sollten, damit die Welt einen aufgeklärteren Weg einschlagen kann.

Quellen: HistorieNet, Universität Uppsala