Volkswagen hat das aerodynamischste straßenzugelassene Auto der Geschichte gebaut und damit bewiesen, dass extreme Ingenieurskunst erstaunliche 1.400 Kilometer Reichweite aus einer Standard-Budget-EV-Batterie herausholen kann.
Volkswagen will beweisen, dass das aktuelle Wettrüsten bei Elektrofahrzeugen (EVs) völlig rückwärtsgewandt ist. Anstatt schwerere und teurere Batteriepakete in massive SUVs zu stopfen, um die Reichweitenangst zu bekämpfen, wählte der deutsche Automobilhersteller einen völlig anderen Ansatz. Laut einem Bericht von InsideEVs stellte das Unternehmen kürzlich den Mission Efficiency vor – ein radikales, tropfenförmiges Konzeptfahrzeug, das gerade drei Weltrekorde für die Ausdauer von Elektrofahrzeugen aufgestellt hat.
Der erstaunlichste Teil dieser Ingenieursleistung ist das, was sich unter der aggressiv abfallenden Motorhaube verbirgt. Anstatt sich auf exotische, millionenschwere Hypercar-Hardware zu verlassen, baute das Ingenieurteam diesen Rekordhalter mit genau denselben Standardkomponenten, die auch im preisgünstigen ID. Polo Schrägheck zu finden sind. Durch die Kombination einer völlig serienmäßigen 54,9-Kilowattstunden-Batterie mit einer extrem aerodynamischen Karosserie sprengte Volkswagen die physikalischen Grenzen der elektrischen Reichweite.
Um zu beweisen, dass dies nicht nur theoretische Mathematik war, fuhr der Automobilhersteller das experimentelle Auto auf einer anstrengenden realen Roadtrip quer durch Europa. Das Ingenieurteam steuerte das Fahrzeug von seinem Entwicklungszentrum in Wolfsburg, Deutschland, bis nach Wien, Österreich. Nachdem fast 1.287 Kilometer mit einer einzigen Ladung im normalen Verkehr zurückgelegt wurden, hatte die kleine Batterie immer noch genug Saft für weitere 160 Kilometer Fahrt – was die theoretische Gesamtreichweite weit über 1.400 Kilometer trieb.
Die brutale Wissenschaft extremer Aerodynamik
Diese erstaunliche Autobahnleistung wird vollständig durch den rekordverdächtigen Luftwiderstandsbeiwert des Fahrzeugs von 0,158 bestimmt, was es offiziell zum aerodynamischsten straßenzugelassenen Auto der Geschichte macht. Um dieses extrem glatte Profil zu erreichen, verengten die Designer die Hinterachse um fast 18 Zentimeter, wodurch die Karosserie zu einem perfekten aerodynamischen Tropfen zulaufen konnte. Vorne bleiben drei aktive Kühllappen während der normalen Fahrt vollständig abgedichtet, um die einströmende Luft vollständig um die mikroskopisch kleine Stirnfläche von 2,04 Quadratmetern zu leiten.
Da sich drehende Räder bei Autobahngeschwindigkeiten wie massive Fallschirme verhalten, musste das Ingenieurteam die Art und Weise, wie das Auto über den Asphalt rollte, komplett überdenken. Sie entwickelten eine Reihe patentierter Felgenabweiser, die aktiv verhindern, dass Luft in die Radkästen gesaugt wird und heftige Turbulenzen erzeugt. Diese bündig montierten aerodynamischen Radkappen sind mit speziellen Continental-Reifen ummantelt, die speziell entwickelt wurden, um den Rollwiderstand auf dem Asphalt zu eliminieren.
Der Lohn für all diese obsessive Windkanal-Abstimmung wird offensichtlich, sobald das Auto Autobahngeschwindigkeiten erreicht. Sobald das Fahrzeug 80 Kilometer pro Stunde überschreitet, verlieren Standard-Elektrofahrzeuge massive Energiemengen, nur um sich durch die Atmosphäre zu kämpfen. Dank seiner glatten Karosserie benötigt der Mission Efficiency etwa 30 Prozent weniger Leistung, um bei Autobahngeschwindigkeiten zu fahren, als der Standard-ID. Polo, wodurch der kleine, vorne montierte Motor Strom in rekordverdächtigem Tempo verbrauchen kann.
Gewichtsreduktion zur Batterieschonung
Aerodynamik löst nur die Hälfte der Effizienzgleichung, daher hat das Innenraumteam jedes unnötige Pfund aus der Kabine gnadenlos entfernt. Sie werden keinen massiven digitalen Infotainment-Bildschirm am Armaturenbrett finden; stattdessen montieren Fahrer einfach ihr eigenes Smartphone oder Tablet, um als zentrales Gehirn des Fahrzeugs zu fungieren. Sogar das traditionelle fest installierte Audiosystem wurde zugunsten eines leichten, abnehmbaren Bluetooth-Lautsprechers entfernt.
Trotz der aggressiven Diät und der extremen Außenproportionen ist die Kabine kein beengtes, einsitziges Wissenschaftsexperiment. Das Fahrzeug bietet bequem Platz für vier Passagiere in einer traditionellen 2+2-Anordnung und verfügt immer noch über eine massive Heckklappe, die 481 Liter Ladung schluckt. Um noch den letzten Tropfen freier Energie aus der Umgebung zu gewinnen, ist eine 370-Watt-Solaranlage direkt in das Glasdach integriert, die bis zu 29 Kilometer tägliche Reichweite direkt in das elektrische System einspeist.
Obwohl der Mission Efficiency technisch als seriennahes Fahrzeug zertifiziert ist, wird er wahrscheinlich ein vielbeachtetes Konzeptfahrzeug bleiben und kein Standardmodell im Autohaus. Der wahre Wert dieses Projekts liegt jedoch darin, zu beweisen, dass etablierte Automobilhersteller keine bahnbrechenden Festkörperbatterien der nächsten Generation benötigen, um massive Reichweiten zu erzielen. Wenn Volkswagen diese aerodynamischen Erkenntnisse erfolgreich auf seine Standard-Verbraucherpalette übertragen kann, könnte dies die Wirtschaftlichkeit des täglichen elektrischen Fahrens grundlegend verändern.