Es gibt jedoch Berichte über erbitterte politische Rivalitäten zwischen den Technokraten und dem Föderalen Sicherheitsdienst.
Moskau rühmt sich seit Langem seiner fortschrittlichen urbanen Technologie. Pendler können U-Bahn-Fahrten mittels Gesichtserkennung bezahlen und genießen dabei eine Geschwindigkeit und einen Komfort, die mit jeder westlichen Hauptstadt mithalten können.
Doch hinter der glatten Oberfläche verbirgt sich ein riesiger Apparat.
Die russische Hauptstadt betreibt inzwischen rund 300.000 Überwachungskameras, die den täglichen Transit in ein unerbittliches Verfolgungsnetzwerk verwandeln, wie ein Bericht der New York Times aufzeigt.
Dieses Netz wurde schnell ausgebaut, nachdem Tausende wehrpflichtiger Männer im Jahr 2022 das Land verlassen hatten. Heute versenden die Behörden obligatorische Einberufungsbescheide direkt über eine zentrale Regierungs-App.
Sobald eine elektronische Vorladung eingeht, werden Reisebeschränkungen automatisch ausgelöst. Wehrdienstverweigerer können es sich nicht mehr leisten, den Zug zu nehmen, da ein einziger Blick in eine Bahnhofskamera eine sofortige Verhaftung bedeuten kann.
Spione versus Software
Der Aufbau eines digitalen Gefängnisses verläuft jedoch nicht so reibungslos, wie Kreml-Beamte gehofft hatten. Erbitterte politische Rivalitäten bremsen das Projekt von innen heraus.
Technokraten bevorzugen algorithmusgesteuerte Kontrolle. Doch Beamte des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) ziehen traditionelle menschliche Intelligenz vor und betrachten künstliche Intelligenz als direkte Bedrohung ihrer Autorität.
Die New York Times zitierte einen Insider, der enthüllte, dass Sicherheitsagenten routinemäßig mit Tech-Entwicklern über das Ausmaß der Macht, die Computern zustehen sollte, aneinandergeraten.
Diese Auseinandersetzungen führen manchmal zu öffentlichem Chaos. Im März kappten Agenten für über zwei Wochen das mobile Internet in der Moskauer Innenstadt und legten städtische Systeme wegen einer plötzlichen Sicherheitspanik lahm.
Geliehene Technologie baut Mauern
Präsident Wladimir Putin besteht darauf, dass heimische künstliche Intelligenz für das nationale Überleben von entscheidender Bedeutung sei. Die tatsächliche Entwicklung erzählt jedoch eine weitaus kompliziertere Geschichte.
Starke westliche Sanktionen schnitten die Versorgung mit wichtigen Mikrochips ab, während Tausende qualifizierter Programmierer ihre Koffer packten und gingen. Um die Systeme am Laufen zu halten, verlassen sich staatliche Tech-Monopole nun stark auf chinesische Open-Source-Software.
Beamte arbeiten auch daran, das lokale Web-Ökosystem vollständig abzuriegeln. Eine sanktionierte Firma entwickelt derzeit einen obligatorischen russischen Browser, der mit staatlich genehmigten Verschlüsselungstools ausgestattet ist, wie United24 Media am 8. September berichtete.
Wird dieser zertifiziert, müssen alle öffentlichen Einrichtungen die Software innerhalb von zwei Jahren einführen, wodurch ausländische Web-Plattformen vollständig abgeschnitten werden. Moskau strebt die vollständige Kontrolle über seinen digitalen Raum an.