Fünf der größten US-Fernsehsender stehen im Fokus bundesbehördlicher Ermittlungen, nachdem sie ihre Beteiligung an der Berichterstattung aus dem Weißen Haus ausgesetzt hatten.
Das US-Justizministerium untersucht, ob das koordinierte Vorgehen der Fernsehsender gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen hat, nachdem mehreren Journalisten Zugangsbeschränkungen auferlegt worden waren. Das berichtet Reuters.
Fernsehsender im Visier der Ermittler
Laut Reuters gab das US-Justizministerium am Samstag, dem 10. Oktober, bekannt, dass gegen ABC, CBS, CNN, NBC und Fox News wegen möglicher Verstöße gegen das US-Kartellrecht ermittelt werde.
„Gemeinsame Boykottaktionen von Unternehmen, die miteinander im Wettbewerb stehen, können gegen den Sherman Antitrust Act verstoßen“, erklärte ein Sprecher des Justizministeriums.
„Die Kartellrechtsabteilung untersucht lediglich, ob diese Nachrichtenorganisationen gegen das Kartellrecht verstoßen haben.“
Die New York Times hatte zuerst über die Ermittlungen berichtet. Laut Reuters reagierten die fünf Fernsehsender zunächst nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Journalisten vom Weißen Haus ausgeschlossen
Den Ermittlungen ging eine Entscheidung vom 19. September voraus, Journalisten von CNN, Politico und MS NOW die Akkreditierung für das Weiße Haus zu entziehen.
Die betroffenen Medienunternehmen gingen gerichtlich gegen die Einschränkungen vor. Sie warfen der Regierung vor, gegen die im Ersten Verfassungszusatz garantierten Grundrechte zu verstoßen und ihre Berichterstattung mit Vergeltungsmaßnahmen zu bestrafen.
Als Reaktion darauf stellten die fünf am gemeinsamen Fernsehberichterstattungssystem des Weißen Hauses beteiligten Sender ihre Berichterstattung vorübergehend ein. Normalerweise ermöglicht diese sogenannte Pool-Regelung den Fernsehsendern, sich die journalistischen Aufgaben, Kosten und Videoaufnahmen von Aktivitäten des Präsidenten zu teilen.
Am 24. September ordnete US-Bundesrichter Timothy Kelly an, den betroffenen Journalisten ihre Zugangsberechtigungen zurückzugeben, nachdem er zu dem Schluss gekommen war, dass die Einschränkungen wahrscheinlich verfassungswidrig seien.
Rechtliche Fragen bleiben offen
Obwohl die Akkreditierungen wiederhergestellt wurden, hielten die Meinungsverschiedenheiten über den Zugang zu Veranstaltungen des Präsidenten und die Aufgabenverteilung innerhalb des Fernsehreporter-Pools laut Reuters weiterhin an.
Die Ermittlungen des Justizministeriums konzentrieren sich nun auf die Frage, ob die gemeinsame Weigerung der Fernsehsender, über die Ereignisse zu berichten, eine rechtswidrige Absprache zwischen konkurrierenden Unternehmen darstellte.
Trump hat etablierte Nachrichtenorganisationen wiederholt kritisiert und ihre Berichterstattung als „Fake News“ bezeichnet.
Die Ermittler haben bislang nicht öffentlich festgestellt, dass einer der Fernsehsender gegen das Kartellrecht verstoßen hat. In dem Reuters-Bericht wurden weder Anklagen noch Sanktionen oder abschließende Ermittlungsergebnisse bekannt gegeben.
Quellen: Reuters, The New York Times. Eine unabhängige Bestätigung des Berichts vom 10. Oktober war nicht möglich.