In der Welt der Spitzendiplomatie sucht jeder Staatschef nach einem verborgenen Vorteil. Manchmal ergibt sich dieser aus einem plötzlichen Durchbruch. In anderen Fällen beruht er auf einer unausgesprochenen Drohung, die Tausende Kilometer entfernt ihren Ursprung hat.
Donald Trump hat sein öffentliches Image auf dem Versprechen aufgebaut, den „perfekten Deal“ abschließen zu können, und während seiner Präsidentschaft stark auf einen transaktionsorientierten Ansatz in der Außenpolitik gesetzt. Sein bekanntes Buch aus dem Jahr 1987 festigte seinen Ruf als Meister der Verhandlungskunst, der die Weltpolitik aus geschäftlicher Perspektive betrachtet.
Nun werden diese Fähigkeiten im Umgang mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf eine harte Probe gestellt. Der ehemalige KGB-Offizier gilt als strategisch geduldiger Verhandler.
Die US-amerikanische Forscherin Hilde Restad erklärte gegenüber NRK, dass Putin einen klaren Vorteil habe. Sie beschrieb den russischen Präsidenten als gerissenen Akteur mit einem Verständnis für komplexe Diplomatie, das Trump ihrer Ansicht nach fehle.
Diese Konstellation könnte schwerwiegende Folgen für eine ohnehin instabile Region haben. Moskau und Teheran pflegen seit Jahrzehnten eine strategische Partnerschaft, und Putin hat nun die Möglichkeit, die militärische Unterstützung für den Iran erheblich auszuweiten, was die Bedrohung für amerikanische Truppen im gesamten Nahen Osten verschärfen könnte.
Die Rolle der Satelliten
Diese Bedrohung ist keineswegs nur theoretischer Natur. Am 27. März feuerten iranische Streitkräfte zahlreiche Drohnen und Raketen auf die Prince Sultan Air Base ab, einen weitläufigen Militärstützpunkt mitten in der saudi-arabischen Wüste.
Bei dem Angriff wurde ein amerikanisches AWACS-Überwachungsflugzeug im Wert von rund einer halben Milliarde US-Dollar zerstört. Diese Maschinen dienen als fliegende Radarstationen, und der Verlust eines solchen Flugzeugs kann eine erhebliche Lücke in der regionalen Luftüberwachung hinterlassen. Zwölf Soldaten wurden bei der Explosion verletzt.
Laut CNN überflogen 14 russische Spionagesatelliten den Stützpunkt zwei Tage vor dem Angriff. Geheimdienstquellen erklärten dem Sender, dass eine derart präzise Attacke auf eine bewachte Militäranlage ohne russische Zielinformationen nahezu unmöglich gewesen wäre.
Ein möglicher Tauschhandel
Russland bestritt jegliche Beteiligung. Dennoch sorgte der Zeitpunkt bei westlichen Geheimdiensten für erhebliche Besorgnis. Politico berichtete, dass der russische Gesandte Kirill Dmitriev im März einen geheimen Tauschhandel vorgeschlagen habe.
Moskau bot demnach an, die Weitergabe von Koordinaten amerikanischer Ziele an den Iran einzustellen. Im Gegenzug sollten die Vereinigten Staaten keine Geheimdienstinformationen vom Schlachtfeld mehr an die Ukraine weitergeben. Die USA sollen den inoffiziellen Vorschlag umgehend abgelehnt haben.
Amerikanische Geheimdienstinformationen sind für Kiew von entscheidender Bedeutung. Sie helfen den ukrainischen Streitkräften, anfliegende Raketen abzufangen und russische Nachschublinien anzugreifen. Eine Unterbrechung dieses Informationsflusses würde die Ukraine erheblich schwächen.
Die Russlandexpertin Julie Wilhelmsen erklärte gegenüber NRK, Putin wisse genau, wie er die derzeitige US-Regierung unter Druck setzen könne. Sie warnte davor, dass er die militärischen Fähigkeiten des Iran gezielt ausbauen könnte, um Zugeständnisse in der Ukraine-Frage zu erzwingen. Für den Kreml sei die Unterstützung Teherans ein vergleichsweise kostengünstiges Mittel, um Washington unter Druck zu setzen.
Öffentliche Äußerungen
Trump äußerte sich kürzlich auf Truth Social zu der Situation und nutzte die Plattform, um seine außenpolitische Haltung direkt mit seinen Anhängern zu teilen. Er schrieb, Russland unternehme wenig, um dem Iran zu helfen, und fügte hinzu, dass dies auch so bleiben solle. Mit solchen öffentlichen Äußerungen umgeht er die üblichen diplomatischen Kommunikationswege.
Restad wies darauf hin, dass diese Aussage Trump anfällig für Erpressung mache. Indem er offen zeige, wie sehr er eine stärkere Allianz zwischen Moskau und Teheran fürchte, gebe der Präsident dem Kreml ein wirksames Druckmittel an die Hand. Gegenüber NRK erklärte sie, Trump lasse es so erscheinen, als halte Putin alle Trümpfe in der Hand.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich während eines viel beachteten Besuchs in Oslo ebenfalls zu der Angelegenheit. Er war eigens in die norwegische Hauptstadt gereist, um den US-Sondergesandten Steve Witkoff zu treffen. Im Gespräch mit NRK bestätigte er die russische Unterstützung für den Iran.
Die militärische Zusammenarbeit ist für ukrainische Städte, die Angriffen mit Drohnen iranischer Bauart ausgesetzt sind, bereits Teil des Alltags. Selenskyj beschrieb zudem, welche Unterstützung Russland seiner Einschätzung nach dem Iran gewährt.
„Wir haben gesehen, dass Russland Drohnen an den Iran geliefert hat. Ich glaube auch, dass sie Satelliteninformationen und andere Geheimdienstinformationen weitergegeben haben“, sagte Selenskyj.
„Das ist es, was wir wissen. Viel mehr weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass Russland auf der Seite des Iran steht.“