Wer Geld leiht, muss dafür in der Regel Zinsen zahlen, die langfristig die finanziellen Mittel belasten. Für einige Länder hat diese Belastung nun ein astronomisches Ausmaß erreicht. Gleichzeitig läuft ein Wettlauf gegen die Zeit, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern.
Die gesamten Auslandsschulden der Entwicklungsländer erreichten im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 9,4 Billionen US-Dollar. Das entspricht laut den jüngst veröffentlichten Daten der Weltbank rund 8,7 Billionen Euro.
Besonders hart trifft die Entwicklung die ärmsten Länder. Sie müssen inzwischen die höchsten Zinssätze seit Ende der 1980er-Jahre zahlen.
Haishan Fu, Chefstatistiker der Weltbank, benannte das Kernproblem: „Der Zugang zu internationalen Finanzmitteln hat sich verbessert, aber die Kosten dieser Finanzierung sind nicht gesunken.“ Er fügte hinzu: „Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen nehmen mehr Kredite auf, zahlen mehr dafür und haben in vielen Fällen weniger Mittel für die langfristige Entwicklung übrig.“
Herausforderungen vor Ort
Allein im vergangenen Jahr stiegen die Schulden der Entwicklungsländer um 5,5 Prozent. Wie The Guardian berichtet, handelt es sich um den stärksten Anstieg seit vier Jahren, der vor allem auf Kredite aus dem Privatsektor zurückzuführen ist.
Die einkommensschwächsten Länder müssen für neue Kredite im Durchschnitt 8,2 Prozent Zinsen zahlen. In einigen Ländern liegen die Zinssätze deutlich höher. In der Republik Kongo betragen sie 13,88 Prozent und in Laos 11,5 Prozent.
Diese hohe finanzielle Belastung bindet Mittel, die für die Deckung grundlegender Bedürfnisse benötigt werden. Besonders in Zeiten globaler Krisen kann sich dadurch die Versorgung mit Nahrungsmitteln in hoch verschuldeten Ländern verschlechtern. Wie die Weltbank in ihrem Bericht feststellt, hängen hohe Schuldenlasten eng mit „einem Rückgang der Bezahlbarkeit gesunder Ernährung in Zeiten globaler Belastungen“ zusammen.
Ein komplexer neuer Plan
Britische Politiker wollen nun eingreifen. Premierminister Andy Burnham verknüpft eine neue Initiative zum Schuldenabbau mit dem historischen Erbe der Sklaverei, während sich das Vereinigte Königreich darauf vorbereitet, im kommenden Jahr die G20-Präsidentschaft zu übernehmen.
Der ehemalige Premierminister Gordon Brown wurde damit beauftragt, Möglichkeiten zur Reform des internationalen Finanzsystems zu prüfen. Unterdessen stellte der britische Außenminister Ed Miliband in Bangkok einen neuen Vorschlag vor.
Der Plan sieht vor, dass multilaterale Entwicklungsbanken ausstehende Kredite aufkaufen. Dadurch könnten die Rückzahlungsfristen verlängert werden. Auch die hohen Zinsbelastungen ließen sich auf diese Weise möglicherweise senken.
Eine Lösung dürfte heute allerdings deutlich schwieriger zu finden sein als bei den umfassenden Schuldenerlassen im Jahr 2005. Inzwischen haben private Anleihegläubiger und nicht mehr staatliche Kreditgeber den größten Einfluss.