Startseite Krieg Neutrales EU-Land in Erklärungsnot: Swarovski-Optiken landen an Russlands Frontlinien

Neutrales EU-Land in Erklärungsnot: Swarovski-Optiken landen an Russlands Frontlinien

Swarovski Optik
ML5, CC0, via Wikimedia Commons

Investigative Medien berichten, dass die Ausrüstung über eine Kette von Zwischenhändlern trotz offizieller Marktrückzüge weiterhin durchrutscht.

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Während Österreich seine Neutralität betont und sich weigert, Waffen an die Ukraine zu liefern, deuten neue Vorwürfe darauf hin, dass hochwertige österreichische Optiken dennoch bei russischen Truppen auftauchen.

Verdeckte Lieferungen

Laut dem ukrainischen Investigativportal iStories und dem US-basierten Robert Lansing Institute (RLI) sind Scharfschützen-Zielfernrohre von Swarovski Optik seit Beginn der umfassenden Invasion weiterhin in Russland aufgetaucht.

Den Recherchen zufolge zeigen Zolldaten, dass mindestens 90 Geräte ins Land gelangten, die meisten davon im Jahr 2023, mit einem Gesamtwert von über 250 000 Dollar, also rund 230 000 Euro.

In den von iStories ausgewerteten Dokumenten wird die Ausrüstung als für „Jagd, Wandern und Sportschießen“ bestimmt beschrieben.

Die Medien weisen jedoch darauf hin, dass solche Optiken im Kampf weit verbreitet sind und laut anonymen Quellen von iStories an russische Eliteeinheiten geliefert worden sein sollen.

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Nachdem Swarovski Optik den russischen Markt offiziell verlassen hatte, gelangten die Geräte laut den Ermittlern über die Vereinigten Arabischen Emirate nach Russland.

Das RLI ergänzt, dass das österreichische Unternehmen kein Einzelfall sei: Auch deutsche und amerikanische Zieloptiken seien weiterhin in Russland erhältlich.

Neutralitätsdebatte

Die Vorwürfe kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Wien seine Weigerung, die Ukraine zu bewaffnen, weiterhin mit militärischer Neutralität und dem Grundsatz der Nichteinmischung begründet.

Kritiker argumentieren jedoch, dass der freie Transport von Dual-Use-Gütern über Drittstaaten diese Haltung untergräbt. Österreichs Behörden haben zu den konkreten Vorwürfen bislang nicht Stellung genommen.

Der Bericht von iStories hebt den Widerspruch zwischen offiziellen Beschränkungen und den komplexen Lieferwegen hervor, die genutzt werden, um diese zu umgehen.

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Er knüpft zudem an frühere Warnungen an, wonach Russland ausländische Handelsnetzwerke nutzt, um an Technologie zu gelangen, die sich für den Einsatz auf dem Schlachtfeld eignet.