Risse scheinen sich im streng kontrollierten russischen Medienraum zu zeigen.
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Eine aktuelle Sendung überraschte Zuschauer, indem sie ungewöhnlich offene Aussagen zum Krieg in der Ukraine zuließ.
Die live ausgestrahlten Kommentare verbreiteten sich rasch online und sorgten auch außerhalb Russlands für Aufmerksamkeit.
Unerwarteter Tonwechsel
Laut dialog.ua kam es auf dem staatlichen Fernsehsender NTV in der Talkshow Meeting Place zu einem bemerkenswerten Wortwechsel.
Während der Krieg in sein viertes Jahr geht, stellten Gäste der Sendung offen das langjährige Narrativ des Kremls über stetige militärische Fortschritte infrage.
Erstmals seit Jahren räumten Kommentatoren auf einem großen Staatssender ein, dass russische Streitkräfte inzwischen weniger Territorium in der Ukraine kontrollieren als in den ersten Monaten der Invasion.
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Die Diskussion hob sich deutlich vom üblichen Ton der russischen Propaganda ab, die den Feldzug konsequent als erfolgreich darstellt.
Spott über offizielle Behauptungen
Während der Sendung wurden Aussagen von Präsident Wladimir Putin über angebliche Geländegewinne offen verspottet.
Ein eingeladener Experte verwies darauf, dass Russland zentrale Gebiete, die 2022 verloren gingen, darunter Cherson, bis heute nicht zurückerobert habe.
Der Gast stellte frühere Rhetorik über Durchhaltevermögen und Sieg der Realität an der Front gegenüber. Die Aussagen widersprachen direkt den offiziellen Verlautbarungen des Kremls.
Eine derart deutliche Sprache ist im Staatsfernsehen selten, was den Beitrag besonders auffällig machte.
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Deutliche Worte live auf Sendung
Ein Moment aus der Sendung verbreitete sich besonders stark in sozialen Medien. Ein Gast fragte rhetorisch:
„You just said that our soldiers will not understand if we stop halfway. Will the Ukrainians understand? Sorry, but they have not lost anything yet! Have we returned to Kherson? How long will we take Lyman, which we left after 2 days? Once again! The territories that we left in two days, we still cannot return there!“
Das Zitat unterstrich die Frustration über die Kluft zwischen offizieller Kommunikation und den tatsächlichen militärischen Ergebnissen.
Ein Zeichen des Wandels?
Beobachter sagen, es bleibe unklar, ob die Sendung auf einen breiteren Kurswechsel hindeutet oder lediglich eine seltene redaktionelle Nachlässigkeit darstellt.
Russische Staatsmedien haben in der Vergangenheit vereinzelt begrenzte Kritik zugelassen, ohne ihre grundsätzliche Linie zu ändern.
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Dennoch deutet der Vorfall auf wachsenden Druck hin, da sich der Krieg hinzieht und die Realität auf dem Schlachtfeld immer schwerer zu verschleiern ist.
Selbst kurze Eingeständnisse von Rückschlägen können in einem Medienumfeld, das auf Gleichförmigkeit ausgelegt ist, starke Wirkung entfalten.
Der Kreml hat sich bislang nicht öffentlich zu der Sendung geäußert.
Quellen: dialog.ua, LA.LV