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Deutschland fragt jugendliche, ob sie bereit sind, „in einem krieg“ zu kämpfen

German Soldier
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Deutschland plant in den kommenden zehn Jahren einen umfassenden Ausbau seiner Streitkräfte und will sowohl die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten als auch die der Reservisten deutlich erhöhen. Regierungsvertreter erklären, der Vorstoß sei durch wachsende Sicherheitsbedenken in Europa sowie durch die Notwendigkeit motiviert, seit Langem bestehende Personallücken in der Bundeswehr zu schließen.

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Zur Unterstützung dieser Ziele hat Berlin ein neues System eingeführt, das prüfen soll, ob junge Menschen bereit und geeignet sind, Dienst zu leisten.

Ambitionierte Ausbaupläne

Nach Angaben der Express will Deutschland die Stärke seiner regulären Streitkräfte bis 2035 von derzeit rund 182.000 auf etwa 260.000 Soldatinnen und Soldaten erhöhen. Gleichzeitig plant die Bundesregierung, die Reserve von etwa 140.000 auf bis zu 200.000 Kräfte auszubauen.

Die Koalitionsregierung erklärt, dass freiwillige Rekrutierung der bevorzugte Weg sei. Zugleich räumen Verantwortliche ein, dass stärkere Maßnahmen in Betracht gezogen werden könnten, falls die Anwerbezahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Um Bewerber anzuziehen, werden Anreize geboten, darunter ein wettbewerbsfähiges monatliches Gehalt von rund 2.293 Pfund sowie finanzielle Unterstützung für praktische Leistungen, etwa den Erwerb eines Führerscheins nach einem Jahr Dienstzeit.

Umfragebasierter Ansatz

Im Rahmen der Rekrutierungsoffensive ist zum 1. Januar eine neue Form des Wehrdienstes in Kraft getreten. Alle 18-jährigen Männer sind verpflichtet, einen Fragebogen auszufüllen, der ihr Interesse an einem Eintritt in die Bundeswehr erfassen soll.

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Das Formular fragt unter anderem nach der Bereitschaft zum Dienst, dem körperlichen und geistigen Gesundheitszustand sowie der zeitlichen Verfügbarkeit. Auch 18-jährige Frauen erhalten den Fragebogen, sind jedoch rechtlich nicht zur Beantwortung verpflichtet.

Berichten zufolge sollen monatlich rund 54.000 Fragebögen verschickt werden. Wer den Fragebogen nicht ausfüllt, muss mit Geldbußen von bis zu 800 Pfund rechnen.

Medizinische Untersuchungen

Nach Abgabe des Fragebogens müssen Männer zu einer medizinischen Untersuchung erscheinen, um ihre Eignung für den Dienst feststellen zu lassen – selbst dann, wenn sie angeben, kein Interesse an einer Verpflichtung zu haben.

Die Befragten werden dadurch nicht automatisch in die Streitkräfte aufgenommen. Behörden betonen, dass das Verfahren darauf abzielt, potenzielle Freiwillige zu identifizieren und nicht die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen.

Gleichwohl erklärte die Regierung, dass bei unzureichender freiwilliger Rekrutierung Personen per Zufall für einen verpflichtenden Dienst ausgewählt werden könnten. Dieser Schritt werde jedoch als „letztes Mittel“ betrachtet.

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Sicherheitsbedenken

Deutschland hatte die Wehrpflicht im Jahr 2011 ausgesetzt, doch das regionale Sicherheitsumfeld hat sich seither verändert. Militärische Führungskräfte warnen, dass Russland innerhalb der nächsten Jahre eine direkte Bedrohung für die NATO darstellen könnte.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte sowie hochrangige deutsche Militärs haben das Risiko künftiger Konflikte als Begründung für eine Stärkung der nationalen Verteidigung angeführt. Ähnliche Maßnahmen zur Aufstockung der Streitkräfte werden auch in anderen europäischen Ländern diskutiert oder umgesetzt.

Quellen: Express