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Sexualisierte Gewalt im Krieg: Ehemalige Hamas-Geiseln brechen ihr Schweigen

Hamas Israel
ChameleonsEye / Shutterstock.com

Ehemalige Hamas-Geiseln beschreiben Gewalt, Ohnmacht und die langen Folgen der Haft. Ihre Aussagen werfen Fragen auf, die weit über ihre persönlichen Geschichten hinausgehen.

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Ehemalige Geiseln äußern sich selten öffentlich. In Israel wird offen darüber diskutiert, ob Berichte Heilung fördern oder alte Wunden vertiefen. Guy Gilboa-Dalal entscheidet sich dennoch für Sichtbarkeit.

Wie die Tagesschau berichtet, versteht der 24-Jährige Gespräche mit Medien als bewussten Schritt, um Kontrolle zurückzugewinnen. Das Sprechen sei anstrengend, aber notwendig, um nicht von Erinnerungen überrollt zu werden.

Sein Alltag nach der Freilassung ist deshalb bewusst gefüllt. Nach mehr als zwei Jahren in Gefangenschaft dient Ablenkung nicht der Flucht, sondern der Stabilisierung.

Trauma im Alltag

Schlafprobleme gelten als häufige Folge schwerer Traumatisierung. Auch Gilboa-Dalal beschreibt laut der Tagesschau, dass Nächte besonders belastend sind. „Ich wache zwei bis drei Mal pro Nacht auf, weil ich Albträume habe.“

Nähe zu Familie oder Freunden gibt ihm Halt. Alleinsein verstärke das Gefühl von Orientierungslosigkeit, das aus der Gefangenschaft geblieben sei.

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Medizinische und therapeutische Begleitung helfe, doch Fortschritte kämen langsam.

Haftbedingungen

Gilboa-Dalal wurde am 7. Oktober 2023 entführt und an wechselnden Orten festgehalten. Später verbrachte er Monate in einem unterirdischen Tunnel.

Die extreme Enge, Dunkelheit und der dauerhafte Hunger hätten Körper und Geist geschwächt. „Es gibt keinen Ort auf der Welt, der so schrecklich ist wie dieser Tunnel“, sagt er laut der Tagesschau.

Gedanklich habe er sich in innere Monologe zurückgezogen. Das Denken wurde zur einzigen Form von Autonomie.

Sexualisierte Gewalt

Neben psychischem Druck berichtet Gilboa-Dalal von sexualisierter Gewalt. „Ich wollte einfach nur, dass es aufhört“, sagt er. Danach sei er eingeschüchtert worden: „Sollte ich je darüber sprechen, würde er mich töten.“

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Ein ähnliches Muster beschreibt Romi Gonen. Laut der Zeitung Blick, die sich auf ein israelisches TV-Interview bezieht, schilderte sie wiederholte Übergriffe und systematische Drohungen während ihrer über 15 Monate dauernden Gefangenschaft.

„Alle in Israel glauben, ich sei tot – und ich werde hier als Sexsklavin festgehalten“, sagte Gonen. Schweigen sei erzwungen worden, so Blick.

Bedeutung der Zeugnisse

Menschenrechtsorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass sexualisierte Gewalt in bewaffneten Konflikten gezielt eingesetzt wird. Öffentliche Zeugnisse gelten als zentral, um solche Verbrechen sichtbar zu machen.

„Ich werde diesen Leuten nie vergeben können“, sagt Gilboa-Dalal. Seine Aussage steht für eine Generation von Überlebenden, deren Freiheit erst beginnt, wenn ihre Erfahrungen anerkannt werden.

Quellen: Blick, Tagesschau

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