Neue Forschung modelliert, wie selbstfahrende Technologie die Folgen von Verkehrsunfällen im kommenden Jahrzehnt verändern könnte.
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Autonome Fahrzeuge könnten selbst bei geringer Verbreitung spürbare gesundheitliche Vorteile für die Bevölkerung bringen, so eine neue Studie, die modelliert, wie sich selbstfahrende Technologie in den kommenden zehn Jahren auf Unfallfolgen auswirken könnte.
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass bereits eine moderate Nutzung automatisierten Fahrens zehntausende Verletzungen vermeiden könnte – mit deutlich größeren Effekten, wenn sich die Technologie weiter verbreitet und so leistungsfähig ist, wie frühe Daten nahelegen.
Ein wachsendes Sicherheitsproblem
Verkehrsunfälle zählen weiterhin zu den Hauptursachen für Verletzungen und Todesfälle in den Vereinigten Staaten. Mehr als 120 Menschen sterben täglich auf US-Straßen, und allein im Jahr 2022 führten Unfälle zu über 2,6 Millionen Notaufnahmen wegen Verletzungen.
Neben dem menschlichen Leid verursachen Verkehrsunfälle erhebliche wirtschaftliche Kosten. Die Studie verweist auf Schätzungen von mehr als 470 Milliarden US-Dollar pro Jahr an medizinischen Ausgaben und Produktivitätsverlusten im Zusammenhang mit Verkehrstoten und Verletzten.
Da die meisten Unfälle auf menschliches Versagen oder Substanzmissbrauch zurückzuführen sind, argumentieren die Forscher, dass eine vollständige Reduzierung der Fahrerbeteiligung die Verkehrssicherheit deutlich verbessern könnte.
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Modellierung der Auswirkungen
Die in JAMA Surgery veröffentlichte Analyse wurde von einem in Kanada ansässigen Forscherteam durchgeführt. Sie untersuchten US-Daten zu Verkehrsunfällen mit Verletzungen aus den Jahren 2009 bis 2023 und projizierten die Entwicklung bis 2035 mithilfe linearer Regression.
Der Ansatz konzentrierte sich auf zwei Variablen: den Grad der Verbreitung autonomer Fahrzeuge und deren Sicherheitsvorteil gegenüber menschlichen Fahrern. Beide Faktoren seien laut den Autoren noch mit Unsicherheiten behaftet, ließen sich jedoch durch Szenarien untersuchen.
Nutzungsszenarien
Zur Abschätzung der künftigen Nutzung wendeten die Forscher eine Wachstumskurve an, um vier mögliche Verbreitungsgrade bis 2035 zu modellieren: autonome Fahrzeuge mit einem Anteil von 1, 2,5, 5 oder 10 Prozent aller in den USA gefahrenen Meilen.
Diese Szenarien kombinierten sie mit zwei Sicherheitsannahmen. Im konservativen Fall galten autonome Fahrzeuge als 50 Prozent sicherer als menschliche Fahrer. In einem optimistischeren Szenario, das teilweise auf frühen Erkenntnissen von Unternehmen wie Waymo basiert, wurde von einem Sicherheitsvorteil von 80 Prozent ausgegangen.
Reduzierung von Verletzungen
Unter den vorsichtigsten Annahmen – 1 Prozent der Fahrleistung durch autonome Fahrzeuge bei einem Sicherheitsgewinn von 50 Prozent – schätzten die Forscher, dass zwischen 2025 und 2035 mehr als 67.000 Verletzungen vermieden werden könnten.
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Im günstigsten Fall, mit 10 Prozent Verbreitung und einem Sicherheitsvorteil von 80 Prozent, überstieg die Zahl der verhinderten Verletzungen 1 Million. Dies entspräche einer Gesamtverringerung verkehrsbedingter Verletzungen um rund 3,6 Prozent über das Jahrzehnt.
Die Autoren betonen, dass selbst eine begrenzte Einführung messbare Vorteile bringen könne und stellen damit die Annahme infrage, dass selbstfahrende Autos erst bei flächendeckender Nutzung Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit hätten.
Grenzen und nächste Schritte
Die Forscher weisen darauf hin, dass die Prognosen auf begrenzten realen Sicherheitsdaten beruhen, da autonome Fahrzeuge bislang nur in kleinem Umfang eingesetzt werden. Mit zunehmender Verbreitung müssten die Schätzungen entsprechend angepasst werden.
Zudem regen sie an, künftige Studien stärker auf den Autobahnverkehr zu konzentrieren, wo die schwersten Verletzungen und Todesfälle auftreten, um die Leistung autonomer Systeme in Hochrisikoumgebungen besser zu verstehen.
Quellen: JAMA