Startseite Deutschland Wenn das Licht ausgeht: Sabotage legt Berliner Südwesten lahm

Wenn das Licht ausgeht: Sabotage legt Berliner Südwesten lahm

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Der massive Stromausfall im Südwesten Berlins hat sich binnen weniger Stunden von einem technischen Notfall zu einem politischen Krisenfall entwickelt. Während Reparaturen laufen, wächst die Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur und die Grenzen extremistischer Gewalt.

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Seit dem Wochenende sind große Teile des Berliner Südwestens von der Energieversorgung abgeschnitten, wie Euronews berichtet. Zehntausende Menschen mussten bei winterlichen Temperaturen ohne Strom, Heizung oder Internet auskommen.

Wie Welt berichtet, wurden Notunterkünfte eingerichtet und Schulen sowie Kitas teilweise geschlossen. Einsatzkräfte versorgen Betroffene mit dem Nötigsten, doch vielerorts bleibt der Alltag stark eingeschränkt.

Nach Angaben des Netzbetreibers könnten die Reparaturen noch mehrere Tage dauern. Erst schrittweise kehren Licht und Wärme zurück.

Sabotage statt Unfall

Ermittler:innen gehen inzwischen von einem gezielten Brandanschlag auf zentrale Stromleitungen aus. Beschädigt wurde eine wichtige Verbindung nahe des Kraftwerks Lichterfelde, was laut Behörden einen Dominoeffekt im Netz auslöste.

Die Tat gilt als politisch motiviert. Berlin rief wegen des Ausmaßes eine sogenannte Großschadenslage aus, auch Unterstützung der Bundeswehr steht im Raum, wie Welt berichtet.

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Der Zeitpunkt verschärft die Lage: Im Winter ist das Stromnetz besonders sensibel, Ausfälle treffen Haushalte und Wirtschaft deutlich härter.

Extremistische Spur

Zu dem Anschlag bekannte sich, wie Welt berichtet, eine linksextremistische Gruppierung, die sich „Vulkangruppe“ nennt. Ermittler:innen stufen das eingegangene Schreiben nach Informationen des rbb als authentisch ein, wie die Tagesschau berichtet.

Sicherheitsbehörden beschäftigen sich seit Jahren mit der Gruppe. Sie wird dem anarchistischen Spektrum zugerechnet und fällt durch Aktionen gegen Energie- und Kommunikationsinfrastruktur auf, wie Euronews unter Berufung auf Stern berichtet.

Wie viele Personen dazugehören oder wie sie organisiert sind, ist weiterhin unklar.

Politik in der Defensive

Der Stromausfall löste scharfe Kritik an der Berliner Landesregierung aus. Dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner wurde mangelnde Sichtbarkeit vorgeworfen. Er wies die Vorwürfe zurück und verwies auf laufende Koordination mit Behörden und Bund, wie Welt berichtet.

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Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey drängte auf Bundesunterstützung bei den Ermittlungen. Wie die Tagesschau berichtet, sagte sie im rbb24 Inforadio: „Es geht nicht nur um einen Angriff auf unsere Infrastruktur, sondern auch darum, dass unsere freie Gesellschaft angegriffen wurde.“

Größere Fragen

Der Fall lenkt den Blick über Berlin hinaus. Angriffe auf Energieanlagen gelten Sicherheitsbehörden seit Jahren als wachsendes Risiko. Der aktuelle Ausfall zeigt, wie verwundbar urbane Versorgungssysteme sind und wie schnell politische, soziale und wirtschaftliche Folgen entstehen können.

Quellen: Euronews, Tagesschau, Welt