Die jüngsten Äußerungen aus Washington zu Grönland haben nicht nur in Europa für Unruhe gesorgt. Auch innerhalb der Republikanischen Partei wächst der Widerstand. Dabei rücken grundsätzliche Fragen zur Rolle der USA im westlichen Bündnis in den Vordergrund.
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Ausgangspunkt der Kritik ist die Sorge um die Nato. Dänemark gehört dem Bündnis an, Grönland ist Teil des Königreichs. Ein militärischer Druck auf die Insel würde damit einen Verbündeten treffen.
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen warnte, ein US-Angriff auf Grönland käme dem Ende der westlichen Sicherheitsarchitektur gleich, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtet.
Diese Einschätzung findet auch in Washington Gehör. Mehrere republikanische Abgeordnete betonen, dass die Nato für die USA unverzichtbar sei und leichtfertige Drohungen langfristigen Schaden anrichten könnten.
Strategische Insel
Grönland spielt aus Sicht der USA eine wachsende Rolle in der Arktis. Die Region gewinnt militärisch an Bedeutung, unter anderem wegen neuer Schifffahrtsrouten und des wachsenden Einflusses von Russland und China.
Die Insel selbst zählt rund 56.000 Einwohner und ist weitgehend autonom, gehört jedoch formal zu Dänemark.
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Präsident Donald Trump hatte wiederholt erklärt, die USA „brauchen“ Grönland für ihre nationale Sicherheit. Zeitweise sprach er von einem möglichen Kauf, schloss aber auch militärische Optionen nicht ausdrücklich aus.
Kritik im Kongress
Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtet, distanzierte sich Senator John Curtis öffentlich von solchen Überlegungen. Er erklärte auf X, eine engere Partnerschaft mit Dänemark und Grönland sei sinnvoll, doch „der Einsatz des Militärs ist nicht angemessen, nicht nötig und nichts, was ich unterstützen werde“.
Auch Don Bacon, republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, warnte, laut CNN vor den Folgen dieser Debatte, wie der Tagesspiegel berichtet. Die Gedankenspiele der Regierung seien schädlich und belasteten die Beziehungen zu Verbündeten.
Er erinnerte daran, dass Dänemark in Irak und Afghanistan an der Seite der USA gekämpft habe und dort 51 Soldaten verloren habe.
Abgrenzung von Invasion
Gegenüber CNN nahm Senator John Kennedy zu den Spekulationen Stellung. Eine Invasion Grönlands wäre „raketenmäßig dumm“, sagte er, das wisse sogar ein „mäßig intelligenter Neuntklässler“.
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Er fügte hinzu mit Blick auf Präsident Trump und Außenminister Marco Rubio: „Sie planen keine Invasion Grönlands“. Denkbar seien vielmehr politische oder rechtliche Optionen, etwa eine Abstimmung auf der Insel.
Kritik kam auch an scharfen Tönen aus dem Umfeld des Präsidenten. Senator Thom Tillis stellte klar, es gebe kein wichtigeres Bündnis als die Nato und bezeichnete Dänemark als herausragenden Partner. Viele Republikaner teilten diese Ansicht, auch wenn sie sich nicht alle öffentlich äußerten.
Die Debatte zeigt, wie sensibel Trumps Grönland-Vorstöße selbst in den eigenen Reihen aufgenommen werden. Während das Weiße Haus weiter auf die strategische Bedeutung der Insel verweist, mahnen republikanische Abgeordnete zur Zurückhaltung und zur Wahrung der Bündnistreue.
Quellen: dpa, CNN, Tagesspiegel