Dmitri Medwedew meldet sich wieder zu Wort – laut, provokant und mit internationaler Wirkung. Innerhalb weniger Tage hat der frühere russische Präsident und heutige Vizechef des Sicherheitsrats mehrere außenpolitische Reizthemen aufgegriffen.
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Seine jüngsten Aussagen reichen von geopolitischen Fantasien bis zu offenen Beschimpfungen westlicher Eliten.
Eskalation in Etappen
Ausgangspunkt war eine Bemerkung zur Arktis. Wie Channel NewsAsia (CNA) unter Berufung auf Interfax berichtet, erklärte Medwedew, Grönland könne sich Russland anschließen, falls US-Präsident Donald Trump nicht schnell handle. Er sprach dabei von einem möglichen Referendum der rund 55.000 Einwohner.
Die Aussage fiel im Kontext von Trumps erneuter Forderung, die USA müssten die Kontrolle über das autonome, zu Dänemark gehörende Gebiet übernehmen. Washington begründet dies mit sicherheitspolitischen Interessen, während Dänemark und Grönland dies strikt zurückweisen.
Russland selbst erhebt keinen Anspruch auf Grönland. Moskau verfolgt jedoch aufmerksam die strategische Bedeutung der Arktis, die durch neue Seewege und Ressourcen zunehmend umkämpft ist.
Angriffe auf die USA
Letzte Woche berichtete der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa über einen Blogeintrag, in dem Medwedew den Einsatz der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine rechtfertigte. „Gefährliche Psychopathen brauchen eine Zwangsjacke oder eine Rettungsspritze mit Haloperidol“, schrieb Medwedew dort.
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Die Verantwortung für eine „universale Katastrophe in den internationalen Beziehungen“ sah er nicht beim russischen Angriffskrieg, sondern bei den USA.
Medwedew beschuldigte Washington unter anderem der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro und griff auch Donald Trump persönlich an. Er brachte Trump in diesem Zusammenhang mit „militaristischem Wahn“ in Verbindung.
Diese Wortwahl markiert eine Verschärfung, da Trump bislang von direkter Kritik aus Moskau oft ausgenommen wurde.
Funktion im Machtgefüge
Nach Angaben der Berliner Morgenpost erfüllt Medwedew im Kreml eine spezielle Rolle. Zwar falle er regelmäßig mit Drohungen und drastischen Formulierungen auf, doch sei er politisch kein Solist. Als stellvertretender Vorsitzender des Sicherheitsrats bleibe er eng in Putins Machtapparat eingebunden.
Die Zeitung beschreibt Medwedew als bewusst eingesetzten Lautsprecher: Er droht und provoziert, während Präsident Wladimir Putin selbst staatsmännischer auftreten kann. Diese Arbeitsteilung ermögliche es Russland, harte Signale zu senden, ohne sie formell zur Regierungslinie zu machen.
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International erzeugt diese Strategie Aufmerksamkeit – und Unsicherheit darüber, wie ernst Moskaus Worte gemeint sind.
Quellen: Berliner Morgenpost, Channel NewsAsia, dpa, Interfax, Tagesspiegel