Es ist keine neue Debatte, doch angesichts der jüngsten weltpolitischen Entwicklungen ist sie erneut aufgeflammt.
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Europas seit Langem geführte Diskussion über verteidigungspolitische Unabhängigkeit lebt angesichts sich wandelnder globaler Allianzen wieder auf.
Auch wenn die Idee nicht neu ist, hat sich der Ton der jüngsten Wortmeldungen verschärft und spiegelt eine umfassendere Unsicherheit über die sicherheitspolitische Zukunft Europas wider.
Rufe nach Reformen
Laut mehreren Medien, darunter EuroWeekly und Politico, hat der EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius argumentiert, Europa benötige in Zusammenarbeit mit dem Vereinigten Königreich eine ständige Militärtruppe von rund 100.000 Soldaten.
Bei einer Rede auf der Konferenz Folk och Försvar in Schweden am 11. Januar stellte er den Vorschlag als Möglichkeit dar, die europäische Verteidigung zu stärken und die amerikanische Militärpräsenz potenziell zu ersetzen.
In seiner Rede verwies Kubilius auf Zweifel an der Dauerhaftigkeit der sicherheitspolitischen Zusagen der USA gegenüber Europa. Demnach erfordere das veränderte strategische Umfeld, dass Europa sich auf eine größere Eigenverantwortung vorbereite.
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Er nannte drei Prioritäten für die Verteidigungsbereitschaft: höhere Investitionen in industrielle Kapazitäten, wirksamere Institutionen sowie den politischen Willen, Bedrohungen abzuschrecken oder nötigenfalls zu bekämpfen.
Anhaltende Sorgen
Die Idee einer gesamteuropäischen Streitkraft sorgt in Teilen der Öffentlichkeit weiterhin für Unbehagen. Für einige Bürgerinnen und Bürger weckt die Aussicht auf den Einsatz ausländischer europäischer Truppen auf nationalem Boden unangenehme historische Erinnerungen.
Skepsis ist auch innerhalb der EU-Institutionen vorhanden. In Debatten in den Jahren 2025 und 2026 warnten mehrere Europaabgeordnete davor, dass eine vertiefte militärische Integration die nationale Souveränität schwächen könnte.
In einer Entschließung des Europäischen Parlaments vom Dezember 2025 wurde zu dringenden sicherheitspolitischen Maßnahmen aufgerufen, zugleich aber die EU-NATO-Zusammenarbeit sowie eine „voll handlungsfähige europäische Säule innerhalb der NATO“ bekräftigt.
Einige Abgeordnete warnten jedoch vor Notfallmechanismen wie Artikel 122 und argumentierten, diese könnten das Parlament marginalisieren und Macht in der Kommission konzentrieren.
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Quellen: Erklärungen der EU-Kommission, Debatten im Europäischen Parlament, EuroWeekly, Politico, The New Voice of Ukraine