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Apples Griff auf die globale Tech-Lieferkette beginnt zu lockern

Tim Cook Apple
John Gress Media Inc / Shutterstock

Apple verliert an Einfluss, während KI die Tech-Produktion neu ordnet

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Jahrelang stand ein Unternehmen im Zentrum der globalen Technologie-Lieferkette und prägte Preise, Prioritäten und Produktionsentscheidungen. Dieses Gleichgewicht verschiebt sich nun, da neue Kräfte bestimmen, wer tatsächlich den Ton angibt.

Ein sich veränderndes Zentrum

Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg ermöglichte Apples schiere Größe dem Konzern, Zulieferer in der gesamten Tech-Branche zu dominieren. Von Chips und Speicher bis hin zu Verpackungen und Substraten bestimmten Apples Aufträge maßgeblich, was produziert wurde und wann.

Diese Phase geht zu Ende.

Wie Business Insider berichtet, sagen Branchenanalysten, dass Apple nicht mehr der Ankerkundenstatus zukommt, den das Unternehmen lange innehatte. Zulieferer richten ihren Fokus zunehmend auf KI-Unternehmen und große Cloud-Anbieter.

Brad Gastwirth, Global Head of Research bei Circular Technology, sagte gegenüber Business Insider, Apple bewege zwar weiterhin enorme Stückzahlen, stehe aber nicht mehr im Zentrum der Hardware-Welt.

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Wohin sich die Macht verlagert

Die Kontrolle über Lieferketten bedeutet Verhandlungsmacht. Die größten Abnehmer sichern sich bessere Preise, garantierte Kapazitäten und frühzeitigen Zugang zu neuer Technologie.

Diese Macht verlagert sich nun zu KI-orientierten Unternehmen wie Nvidia sowie zu Cloud-Giganten wie Amazon, Microsoft und Google. Sie bestellen Komponenten in Größenordnungen, die mit der Smartphone-Nachfrage konkurrieren oder sie übertreffen – und sind bereit, höhere Preise zu zahlen.

Am deutlichsten zeigt sich dieser Wandel bei der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), dem weltweit größten Chip-Hersteller.

Das Signal von TSMC

TSMC erlangte große Bedeutung durch die Fertigung hochmoderner Chips für das iPhone, was Apple lange einen technologischen Vorsprung verschaffte. Doch Smartphones sind nicht mehr das wichtigste Geschäftsfeld des Unternehmens.

Laut Business Insider machen Hochleistungsrechner, dominiert von KI-Chips, inzwischen rund 58 Prozent des Umsatzes von TSMC aus – deutlich mehr als Smartphone-Prozessoren.

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In einer jüngsten Telefonkonferenz erklärte TSMC-Chef C.C. Wei, dass KI-Kunden klare finanzielle Erträge liefern und über die Mittel verfügen, ihre Investitionen fortzusetzen.

Druck auf Bauteile

Der Wandel wirkt sich auf weitere Teile der Lieferkette aus. Speicherhersteller verlagern Kapazitäten von Smartphones und PCs hin zu KI-Rechenzentren, was die Preise steigen lässt.

Gastwirth erklärte, dass Apples langjährige Verhandlungsmacht schwindet, wenn Zulieferer mit KI-Kunden höhere Margen erzielen. Nvidia hat sich bereits langfristige Speicherlieferungen gesichert, wodurch Smartphone-Hersteller an Einfluss verlieren.

Unerwartete Engpässe

Engpässe treten auch in weniger offensichtlichen Bereichen auf. Business Insider verweist auf einen Bericht von Nikkei, der einen Mangel an hochwertigem Glasgewebe für Chip-Substrate beschreibt. Zulieferer priorisieren daher KI-Firmen, die im Voraus zahlen und mehrjährige Verträge abschließen.

Apple konkurriert inzwischen um dieselben Materialien und hat Berichten zufolge Ingenieure entsandt, um alternative Lösungen zu qualifizieren.

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Eine neue Realität

Auch die Auftragsfertiger stellen sich um. Foxconn, lange Zeit vor allem für die Montage von iPhones bekannt, erzielt inzwischen höhere Umsätze mit KI-Servern als mit Unterhaltungselektronik.

Apple bleibt einer der größten Einkäufer weltweit. Doch in einer Lieferkette, die zunehmend von KI geprägt ist, werden Preis- und Kapazitätsentscheidungen heute an anderer Stelle getroffen.

Quellen: Business Insider; Nikkei