International gilt der respektvolle Umgang einer Regierung mit Pressefreiheit und kritischer Berichterstattung als zentrales Zeichen einer funktionierenden Demokratie.
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In den USA wird diese Debatte seit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus besonders intensiv geführt. Ein Erfahrungsbericht aus dem Inneren der Macht zeigt, wie sich Exekutivmacht und Pressefreiheit neu austarieren.
Ein Jahr danach
Als Trump Anfang 2025 erneut vereidigt wurde, erwarteten viele Journalisten eine Fortsetzung bekannter Muster. Chaos, persönliche Angriffe und ein permanenter Nachrichtenstrom hatten seine erste Präsidentschaft geprägt.
In einem Rückblick beschreibt der Independent-Reporter Andrew Feinberg, dass auch er diese Erwartungen teilte. Schon nach wenigen Wochen sei jedoch deutlich geworden, dass Trumps zweite Amtszeit nach anderen Regeln funktioniert.
Vom Leck zur Disziplin
Während Trumps erste Regierung laut damaliger Berichterstattung von internen Rivalitäten und Informationslecks geprägt war, wirkt der Apparat heute geschlossen. Der Zugang ist klarer geregelt, Abweichungen seltener.
Diese Disziplin habe einen Preis. Feinberg beschreibt, dass Journalisten weniger Einblick erhalten und spontane Informationen kaum noch nach außen dringen.
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Struktur statt Spontaneität
Das aktuelle Presseteam arbeite professioneller und verbindlicher als frühere Besetzungen, heißt es in dem Bericht. Anfragen würden beantwortet, der Umgang sei freundlich.
Gleichzeitig habe das Weiße Haus zentrale Instrumente der Berichterstattung neu gestaltet. Besonders die Kontrolle über die Pool-Rotation bedeutet eine Abkehr von der bislang von Journalisten selbst verwalteten Praxis, bei der der Zugang zum Präsidenten nicht von der Regierung, sondern vom Pressekorps organisiert wurde.
Verschobene Öffentlichkeit
Statt ausschließlich etablierter Medien erhielten zunehmend regierungsnahe Akteure privilegierten Zugang. Offiziell wird dies mit Meinungsvielfalt begründet.
Diese Entwicklung betreffe nicht nur das Weiße Haus. Auch im Pentagon kam es laut Feinberg zu massiven Einschnitten, nachdem Reporter unabhängige Recherchebedingungen eingefordert hatten.
Abschreckende Signale
Zusätzliche Sorge löste die Durchsuchung bei einer Washington Post-Journalistin aus, die im Zusammenhang mit einer Leaker-Ermittlung stand. Rechtlich zulässig oder nicht – der Effekt auf andere Redaktionen sei einschüchternd, analysiert Feinberg.
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Auch politische Spitzenvertreter wie Vizepräsident JD Vance hätten Journalisten öffentlich attackiert, was den Druck weiter erhöhe.
„Man sollte meinen, der Vizepräsident der Vereinigten Staaten hätte Besseres zu tun, als eine Gruppe von Journalisten anzuschreien, nur weil ihm die Schlagzeilen zu einer Geschichte nicht gefallen – aber so ist die Lage“, schreibt Feinberg.
Nähe trotz Feindschaft
Trotz harter Rhetorik suche Trump weiterhin aktiv den Kontakt zu Reportern. Diese Ambivalenz sei nicht neu. Neu sei jedoch, dass zentrale Figuren seiner Regierung die Feindbild-Rhetorik verinnerlicht und institutionalisiert hätten.
Gerade darin liege laut Feinberg der qualitative Unterschied zu Trumps erster Amtszeit.
Quelle: The Independent