Berichten zufolge verschärften sich die Probleme nach der Ausweisung von mehr als 700 Diplomaten.
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In Russlands Geheimdienstkreisen ist in einer Phase ungewöhnlicher Belastung eine Welle interner Beschwerden aufgetaucht. Den Berichten zufolge hat der Druck von außen Rivalitäten im Inneren verschärft und mutmaßliches Fehlverhalten sowie tiefen Groll unter früheren Kollegen offengelegt.
Was sich abzeichnet, weist auf einen Dienst hin, der mit den Folgen von Ereignissen ringt, die weit außerhalb seiner Kontrolle liegen.
Geheimdienst in der Krise
Nach Recherchen von The Insider beschreibt eine Reihe anonymer Beschwerden, die innerhalb des russischen Auslandsgeheimdienstes kursieren, ein Muster mutmaßlichen Fehlverhaltens, das sich über Personalmanagement, Beschaffung und Disziplin erstreckt.
Die Schreiben, die an hochrangige Beamte in Moskau gerichtet sind, zeichnen das Bild einer Organisation, die nach der massenhaften Ausweisung russischer Diplomaten aus westlichen Ländern mit internen Rivalitäten und geschwächter Aufsicht zu kämpfen hat.
Die Vorwürfe deuten insgesamt darauf hin, dass ranghohe Offiziere ihre Autorität missbraucht haben sollen, um Verbündete zu belohnen, Rivalen zu marginalisieren und informelle Vorteile von Untergebenen zu erlangen – unter anderem durch Auslandseinsätze und interne Ernennungen.
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Weitere Anschuldigungen betreffen Korruption bei Rekrutierung und Auftragsvergabe. Demnach sollen Offiziere Bestechungsgelder gefordert oder Projekte beaufsichtigt haben, die schlecht umgesetzt wurden, jedoch ernsthaften Untersuchungen entgingen.
Zusätzliche, von The Insider zitierte Beschwerden werfen einzelnen SVR-Mitarbeitern Verhaltensweisen vor, die den Dienst im Ausland Reputations- oder Sicherheitsrisiken aussetzen könnten – darunter Fehlverhalten während Auslandsverwendungen und der Missbrauch offizieller Ressourcen im Inland. Keiner der Vorwürfe wurde unabhängig überprüft, und in mehreren Fällen sollen interne Prüfungen keine formalen Verstöße festgestellt haben.
Die Ausweisung, die alles ins Rollen brachte
Nach Angaben von The Insider verschärften sich die Spannungen, nachdem mehr als 700 russische Diplomaten von ihren Auslandsposten ausgewiesen worden waren, viele von ihnen Geheimdienstoffiziere. Das Medium berichtete am 21. Januar, dass der plötzliche Verlust von Auslandsverwendungen Hunderte ohne klare Karriereperspektiven zurückließ.
Mangels freier Stellen in befreundeten Ländern oder staatlichen Unternehmen sollen sich einige Offiziere gegeneinander gewandt haben. Anonyme Schreiben gingen an den Leiter des Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, sowie an die Präsidialverwaltung Russlands und schilderten mutmaßliche Machtmissbräuche und interne Fehden.
Im Ausland und darüber hinaus
Die internen Turbulenzen fallen mit Festnahmen im Ausland zusammen. Deutsche Staatsanwälte nahmen kürzlich eine Frau mit ukrainischer und deutscher Staatsangehörigkeit wegen des Verdachts der Spionage für Russland fest.
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Die Berliner Behörden werfen ihr vor, Informationen über die Ukraine sowie über den deutschen Verteidigungs- und Drohnensektor gesammelt und einem Mitarbeiter der russischen Botschaft unter falschen Identitäten geholfen zu haben. Dies unterstreiche den anhaltenden Druck auf Moskaus Geheimdienstnetzwerk.
Quellen: The Insider, deutsche Staatsanwaltschaften, United24Media