Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hofften viele Teilnehmer auf Klarheit über den künftigen Kurs der USA. Stattdessen sorgte der Auftritt von Präsident Donald Trump für neue Irritationen. Seine Rede wirkte weniger verbindend als konfrontativ und ließ zentrale Fragen offen.
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Nach Darstellung von CNN stellte Trump die Vereinigten Staaten als Macht dar, die von ihren Verbündeten systematisch ausgenutzt werde. Europa profitiere wirtschaftlich und sicherheitspolitisch, ohne ausreichend Gegenleistung zu zeigen.
Besonders heikel war seine Skepsis gegenüber der NATO. Wie CNN berichtet, zweifelte Trump öffentlich an, ob das Bündnis im Ernstfall zu den USA stehen würde – ohne zu erwähnen, dass die Beistandsklausel nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf amerikanisches Drängen aktiviert worden war.
Sicherheit und Macht
Ein Schwerpunkt der Rede war erneut Grönland. CNN zufolge sagte Trump erstmals ausdrücklich: „Ich werde keine Gewalt anwenden.“
Für viele europäische Zuhörer sei dies ein Moment spürbarer Erleichterung gewesen – zumal der Präsident wenige Stunden später auch ankündigte, die angedrohten neuen Zölle gegen europäische Staaten vorerst auszusetzen.
Zugleich blieb er hart in der Sache. Grönland bezeichnete er als Teil Nordamerikas und erklärte sinngemäß, es handle sich um „unser Territorium“. Dies deutet darauf hin, dass Trump zwar militärische Eskalation ausschließt, politisch aber nicht nachgeben will.
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Rhetorik und Realität
CNN berichtet weiter, dass Trump zahlreiche Verbündete scharf attackierte. Dänemark bezeichnete er als „undankbar“, Kanada mahnte er öffentlich zur Zurückhaltung.
Über Kanada sagte er: „Kanada lebt wegen der Vereinigten Staaten. Denk daran, Mark, wenn du das nächste Mal solche Erklärungen abgibst.“ Solche Aussagen verstärkten den Eindruck einer bewusst zugespitzten Rhetorik.
Stimmung im Saal
Die BBC beschreibt die Atmosphäre aus der Perspektive ihres Wirtschaftsredakteurs Faisal Islam. Demnach begann Trumps Auftritt mit Applaus und großem Andrang, begleitet von außergewöhnlich strengen Sicherheitsmaßnahmen.
Im Verlauf der Rede habe sich die Stimmung jedoch deutlich abgekühlt. Die BBC fasst zusammen, dass viele Zuhörer über Trumps Belehrungen und die erneuten Forderungen zu Grönland sichtlich irritiert gewesen seien. Einige verließen den Saal vorzeitig.
Folgen für Europa
Zusammengenommen zeichnen CNN und BBC das Bild eines Auftritts, der das transatlantische Verhältnis weiter belastet. Trumps Rede bot weniger konkrete Politik als deutliche Machtsignale.
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Für Europa bleibt vor allem die Erkenntnis, dass Verlässlichkeit und Tonfall der USA unter Trump schwer kalkulierbar bleiben – Davos wurde dafür zur Bühne.
Quellen: BBC, CNN