Beim Weltwirtschaftsforum in Davos wandte sich Donald Trump an ein internationales Publikum aus Politik und Wirtschaft. Seine Rede setzte starke Akzente, sollte Handlungsfähigkeit demonstrieren und politische Botschaften platzieren.
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Viele Aussagen wirkten jedoch weniger wie neue Positionen als wie vertraute Erzählungen. Laut einem Faktencheck des ARD-faktenfinders enthielt die Rede von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos zahlreiche Unwahrheiten.
Wirtschaft im Fokus
Trump stellte die wirtschaftliche Lage der USA als nahezu stabilisiert dar. Die Inflation sei praktisch überwunden, zudem habe seine Regierung historische Steuersenkungen beschlossen.
Zahlen des US Bureau of Labor Statistics zeigen jedoch, dass die Inflationsrate im Januar 2026 bei 2,7 Prozent lag und damit weiterhin oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels der Federal Reserve. Der Rückgang gegenüber den Höchstständen von 2022 begann bereits deutlich vor Trumps Amtsantritt.
Auch bei den Steuern setzte Trump auf Superlative. Das Gesetzespaket „One Big Beautiful Bill Act“ aus dem Juli 2025 verlängert und ergänzt frühere Entlastungen. Laut einer Analyse der US-Faktencheckseite PolitiFact gehört es zu den größeren Reformen seit 1980, ist jedoch weder historisch einzigartig noch in seiner unmittelbaren Wirkung außergewöhnlich.
Energie und Wirkung
In Davos nutzte Trump die Energiepolitik Europas als Gegenfolie. Besonders Deutschland stellte er als Beispiel für steigende Kosten dar und sprach von einem drastischen Preisanstieg beim Strom.
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Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft stiegen die Haushaltsstrompreise zwischen 2017 und 2025 um rund 29 Prozent, nicht um die von Trump genannten 64 Prozent. Im laufenden Jahr sind die Preise sogar rückläufig.
Auch seine Kritik an der Windenergie folgte einem bekannten Muster. Trump erklärte, China profitiere vom Verkauf von Windrädern, setze diese selbst aber kaum ein. Analysen des Thinktanks Ember Energy zeigen hingegen, dass China 2024 rund 40 Prozent der weltweiten Windstromproduktion erzeugte und damit global führend ist.
Geschichte und Geopolitik
Besonders sensibel waren Trumps Aussagen zu Grönland. Er stellte die Rolle der USA im Zweiten Weltkrieg so dar, als hätten sie das Gebiet zeitweise besessen.
Der ARD-faktenfinder verweist darauf, dass Grönland nie Eigentum der Vereinigten Staaten war. Die militärische Präsenz diente dem Schutz der Insel, nachdem Dänemark 1940 von Nazi-Deutschland besetzt worden war, änderte aber nichts an der staatlichen Zugehörigkeit.
Auch Trumps Argument, nur Eigentumsrechte ermöglichten eine wirksame Verteidigung, blendet bestehende Realitäten aus. Grönland ist Teil des NATO-Gebiets, zusätzlich regeln bilaterale Abkommen die US-Militärpräsenz ohne Souveränitätsübertragung.
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Strategische Wiederholung
In seiner Rede griff Trump weitere vertraute Motive auf: die angeblich fehlenden Vorteile der NATO für die USA, die unbelegte Behauptung einer „gestohlenen“ Wahl 2020 und den Anspruch, mehrere Kriege beendet zu haben.
Faktenchecks und offizielle Unterlagen zeichnen ein differenzierteres Bild. Die NATO unterstützte die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 umfassend, und für Wahlbetrugsvorwürfe gibt es bis heute keine Belege.
In Davos setzte Trump damit weniger auf neue Argumente als auf die Wiederholung politisch wirksamer Narrative.
Quelle: ARD-faktenfinder