Intensiver Wettbewerb innerhalb des russischen Auslandsgeheimdienstes hat eine ungewöhnliche Welle interner Anschuldigungen ausgelöst.
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Anonyme Briefe mit detaillierten Vorwürfen über Fehlverhalten zirkulieren nun auf höchster Ebene im Kreml.
Unabhängige Journalisten sagen, die Anschuldigungen deuteten auf tiefgreifende Dysfunktionen innerhalb des Systems hin.
Harter Konkurrenzkampf
Nachdem Russland 2022 in die Ukraine einmarschiert war, wiesen westliche Länder mehr als 700 russische Diplomaten aus, von denen viele hauptberufliche Geheimdienstoffiziere waren.
Laut dem unabhängigen Medium The Insider hatten die meisten Schwierigkeiten, neue Posten zu finden, was den Konkurrenzdruck innerhalb des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR verschärfte.
Infolgedessen begannen Offiziere, einander in anonymen Briefen an SVR-Chef Sergej Naryschkin und die Präsidialverwaltung zu denunzieren.
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Zu den Vorwürfen gehören Alkoholmissbrauch, Korruption, Sex mit Prostituierten und Machtmissbrauch.
Kameras und Skandal
Im Frühjahr 2025 installierten ukrainische Geheimdienste laut The Insider versteckte Kameras in der Nähe des SVR-Hauptquartiers in Jasenevo sowie am Eingang der SVR-Akademie in Moskau.
Die Aufnahmen zeigten Fahrzeuge verdeckter Offiziere und Dokumente mit der Kennzeichnung „streng geheim“.
Die Bilder wurden vom Russischen Freiwilligenkorps mit folgendem Kommentar veröffentlicht:
„Bei näherer Betrachtung erweist sich der SVR als ebenso verrottete Institution wie der Rest der Strukturen der Russischen Föderation.“
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Das Leck löste Panik innerhalb des SVR aus. Offiziere und Spürhunde durchsuchten tagelang die umliegenden Gebiete. Die Kameras wurden nie gefunden.
Bestechung und Alkohol
Zu den veröffentlichten Dokumenten gehörte ein anonymer Brief, der dem stellvertretenden Abteilungsleiter German Bykow Machtmissbrauch vorwarf.
In dem Schreiben hieß es, ins Ausland entsandte Offiziere seien erwartet worden, ihm Geschenke mitzubringen, darunter Alkohol im Wert von etwa 46 bis 92 Euro.
Bykow wies die Vorwürfe zurück und sagte: „Ich habe nichts genommen, nichts erpresst, ich diene dem Vaterland mit Ehre.“
Eine Quelle im SVR sagte The Insider, eine frühere Untersuchung habe sich stärker darauf konzentriert, den Hinweisgeber zu identifizieren, als die Vorwürfe zu prüfen.
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Ein weiterer Brief des pensionierten Generals Sergej Lysyuk beschuldigte einen SVR-Hauptmann, Bestechungsgelder von Soldaten der Nationalgarde angenommen zu haben, im Gegenzug für Zusagen über Eliteposten.
Prostituierte und frühere Straftaten
Weitere anonyme Beschwerden beschrieben Diplomaten, die betrunken Auto gefahren seien und sexuelle Beziehungen zu Prostituierten unterhalten hätten.
Ein Schreiben warnte, ein solches Verhalten könne „negative Folgen für das Ansehen unseres Landes“ haben, berichtete The Insider.
Weitere Vorwürfe betrafen den Missbrauch von Dienstfahrzeugen sowie die Behauptung, ein SVR-Offizier habe in seiner Jugend einer neonazistischen Bande angehört.
Polizeiberichte, die von The Insider zitiert wurden, bestätigten, dass 2003 Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden waren.
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Trotz der Vielzahl an Anschuldigungen sollen viele der genannten Personen weiterhin ihre Posten innehaben.
Quellen: The Insider, Digi24.