Noch bevor der erste Griff gesetzt war, entbrannte eine Diskussion. Ein Live-Event, übertragen in alle Welt, ein Mann ohne Sicherung an einer der höchsten Fassaden Asiens.
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Was als sportliche Grenzerfahrung begann, wurde schnell zu einer ethischen Frage.
Gefährliches Live-Event
Der Streamingdienst Netflix übertrug den Aufstieg live und bewarb ihn mit dem Hinweis auf das extreme Risiko. Kritiker warfen der Plattform vor, Spannung aus einer möglichen Katastrophe zu ziehen.
Der Medien- und Sportwissenschaftler Thomas Horky sagte dem Schweizer Rundfunk SRF: „Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich in eine Todesrisiko-Situation begeben, halte ich persönlich für ethisch nicht vertretbar.“
Auch der Kletterer selbst machte die Gefahr deutlich. „Wenn du fällst, stirbst du“, hatte Alex Honnold im Vorfeld erklärt, wie SRF berichtet.
Die Kritik an dem Projekt könne er nachvollziehen, sagte er, doch für ihn sei es die Verwirklichung eines Lebenstraums gewesen, berichtet ZDFheute unter Verweis auf dpa.
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Der Weg nach oben
Am 25. Januar begann Honnold um 9:12 Uhr Ortszeit seinen Aufstieg am Taipei 101. Das Gebäude ragt 508 Meter in den Himmel und prägte lange die Skyline der taiwanischen Hauptstadt. Ohne Seil, Netz oder andere Sicherung bewegte sich der US-Amerikaner entlang der pagodenartig gestuften Fassade.
Nach rund eineinhalb Stunden erreichte er den höchsten Punkt. „Ich bin total gehypt, unglaublich“, sagte Honnold laut dpa nach der Ankunft. Die größte Schwierigkeit sei gewesen, die Ruhe zu bewahren, besonders zu Beginn des Aufstiegs.
Beobachtet hinter Glas
Im Inneren des Hochhauses verfolgten Angestellte und Besucher das Geschehen durch die Glasfronten. Viele hielten ihre Smartphones hoch, andere feuerten den Kletterer mit Schildern an. Auf der 60. Etage kam es zu einem besonderen Moment.
Dort begegnete Honnold seiner Ehefrau Sanni McCandless Honnold, getrennt nur durch die Scheibe. Nach dem erfolgreichen Ende empfing sie ihn mit einer Umarmung, wie ZDFheute unter Berufung auf dpa berichtet.
Vorbereitung und Vorgeschichte
Nach Angaben von dpa trug Honnold die Idee seit vielen Jahren mit sich. Die konkrete Vorbereitung auf das Gebäude dauerte rund zweieinhalb Monate. Mehrere Tage testete er die Route zuvor mit Seil.
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Der Taipei 101 war bereits 2004 Ziel einer spektakulären Kletteraktion. Damals bestieg der Franzose Alain Robert das Hochhaus mit Sicherung. Honnold ist der erste, der den Aufstieg vollständig ohne Schutz absolvierte.
Honnold wurde einem weltweiten Publikum vor allem durch den preisgekrönten Film „Free Solo“ bekannt, der seine riskante Kletterphilosophie dokumentiert. Die Produktion, ausgezeichnet mit einem Oscar im Jahr 2019, zeigt seinen ungesicherten Aufstieg an einer der berühmtesten Felswände der USA.
Seit mehreren Jahrzehnten zählt der Amerikaner zu den prägenden Figuren des Extremsports.
Quellen: dpa, ZDFheute, SRF