Startseite Politik Europas Spitzenpolitiker drängen verstärkt nach China

Europas Spitzenpolitiker drängen verstärkt nach China

Europas Spitzenpolitiker drängen verstärkt nach China
Tomas Ragina/shutterstock.com

Europa blickt wieder verstärkt nach China. In kurzen Abständen sind führende Politiker aus mehreren EU-Staaten nach Peking gereist oder haben entsprechende Besuche angekündigt.

Gerade lesen andere

Die Treffen finden in einer Phase geopolitischer Spannungen statt, in der China für Europa zugleich Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale bleibt.

Hinter den Reisen stehen ähnliche Motive, doch jedes Land setzt eigene Schwerpunkte. Von Ukraine-Diplomatie bis Handelsfragen reicht die Agenda.

Neue diplomatische Dynamik

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron traf Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking im Dezember und rief ihn dazu auf, Einfluss auf Russland zu nehmen, um einen Waffenstillstand in der Ukraine zu ermöglichen, wie France 24 berichtete.

Macron betonte zugleich, dass Paris trotz Differenzen den Dialog mit Peking fortsetzen müsse. China wiederum erklärte seine Unterstützung für Bemühungen um Frieden.

Auch Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo nutzte seinen Besuch Anfang dieser Woche, um Xi direkt auf die Rolle Chinas im Ukraine-Krieg anzusprechen. Orpo sagte, China könne dazu beitragen, den Krieg zu beenden, und warnte vor den Folgen chinesischer Unterstützung für Russland für die Beziehungen zur EU, berichtete Yle.

Lesen Sie auch

Handel im Fokus

Wirtschaftliche Interessen sind ein zentraler Treiber der diplomatischen Offensive. Irlands Ministerpräsident Micheál Martin sprach Anfang Januar in Peking von der Notwendigkeit offenerer Handelsbeziehungen und verwies auf Chinas Bedeutung für die Weltwirtschaft, wie RTÉ berichtete.

Xi hob dabei die Chancen einer engeren Zusammenarbeit in Bereichen wie künstlicher Intelligenz und digitaler Wirtschaft hervor.

Deutschland setzt ebenfalls auf wirtschaftliche Gespräche. Bundeskanzler Friedrich Merz plant Ende Februar seinen ersten China-Besuch mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation, wie der Stern unter Berufung auf die Augsburger Allgemeine berichtet.

Strategische Abwägungen

Großbritanniens Premierminister Keir Starmer reist heute als erster britischer Regierungschef seit 2018 nach Peking, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Ziel ist es, die angespannten Beziehungen zu stabilisieren und neue Chancen für britische Unternehmen zu erschließen.

Gleichzeitig bleiben Streitpunkte wie Menschenrechte, Spionagevorwürfe und Chinas Haltung zum Ukraine-Krieg bestehen.

Lesen Sie auch

Die Reisen spiegeln Europas Versuch wider, in einer fragmentierten Weltordnung eigene Spielräume zu sichern. Zunehmender Protektionismus der USA und globale Handelskonflikte erhöhen den Druck, die Beziehungen zu China pragmatisch zu gestalten, ohne politische Grundlinien aufzugeben.

Balance zwischen Interessen

Die Vielzahl der Besuche zeigt, dass Europa den direkten Austausch mit Peking sucht, um Einfluss zu wahren. Ob es um Sicherheit, Klima oder Handel geht: Gespräche auf höchster Ebene gelten vielen Regierungen als notwendig, auch wenn grundlegende Meinungsverschiedenheiten bestehen bleiben.

Quellen: AP, France 24, RTÉ, Yle, Stern