Er bestätigte sogar die Darstellung der Staatsanwaltschaft zu seinen Handlungen und erklärte: „Genau das ist passiert.“
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Wenn Ihnen jemals eine Straftat zur Last gelegt würde – wie würden Sie reagieren? Mit Angst? Wut? Verleugnung?
Nur wenige würden mit „stolz“ antworten. Doch genau so empfindet es Gergely Karácsony, Bürgermeister der ungarischen Hauptstadt Budapest.
Warum? Weil er wegen der Organisation des Pride-Marsches im vergangenen Jahr in Budapest angeklagt ist.
Illegale Versammlung
Ungarische Staatsanwälte erklärten am Mittwoch, sie hätten Anklage gegen Gergely Karácsony wegen seiner Rolle bei der Organisation des Pride-Marsches am 28. Juni erhoben, den die Polizei verboten hatte.
Nach Angaben der Budapester Staatsanwaltschaft wird dem Bürgermeister vorgeworfen, eine illegale Versammlung organisiert zu haben.
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In der Erklärung hieß es, die Staatsanwaltschaft habe eine Geldstrafe ohne Gerichtsverfahren empfohlen. Karácsony wird vorgeworfen, eine polizeiliche Anordnung missachtet, öffentlich zur Teilnahme an dem Marsch aufgerufen und die Veranstaltung selbst angeführt zu haben.
„Stolzer“ Bürgermeister
In einer schriftlichen Stellungnahme auf Facebook erklärte Karácsony, er sei ein „stolzer Angeklagter“, und wies jede Andeutung zurück, er solle abgeschreckt werden.
„Es scheint, dass dies in diesem Land der Preis ist, den man zahlt, wenn man für die eigene Freiheit und die Freiheit anderer eintritt“, schrieb er. „Wenn jemand glaubt, mich verbieten, abschrecken oder mich und meine Stadt daran hindern zu können, irrt er sich gewaltig.“
Er bestätigte die Darstellung der Staatsanwaltschaft zu seinen Handlungen und fügte hinzu: „Genau das ist passiert.“
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Karácsony steht seit dem Marsch unter polizeilicher Untersuchung. Nach Angaben der Organisatoren nahmen rund 300.000 Menschen teil, womit es sich um die größte Pride-Veranstaltung in der Geschichte Ungarns gehandelt habe.
Breiteres Vorgehen
Der Fall folgt auf ein Gesetz, das die Regierungspartei von Ministerpräsident Viktor Orbán im März 2025 verabschiedet hat. Es verbietet Pride-Veranstaltungen und erlaubt den Behörden den Einsatz von Gesichtserkennungstechnologie zur Identifizierung von Teilnehmenden.
Die Regierung argumentiert, Pride-Veranstaltungen verletzten das Recht von Kindern auf eine moralische und geistige Entwicklung. Eine im vergangenen Jahr verabschiedete Verfassungsänderung stellte dieses Recht über andere, darunter das Recht auf friedliche Versammlung.
Orbáns Partei hatte zuvor bereits Maßnahmen beschlossen, etwa ein Gesetz aus dem Jahr 2021, das Inhalte mit Darstellungen von Homosexualität für Minderjährige einschränkt. Menschenrechtsgruppen und europäische Politiker verurteilten dieses Gesetz als diskriminierend und verglichen es mit der Politik Russlands.
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Quellen: Facebook-Profil von Gergely Karácsony, CNN, AP News, The Independent
