Am Frühstückstisch entzündet sich immer wieder dieselbe Frage.
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Zwei scheinbar ähnliche Streichfette stehen sich gegenüber, begleitet von festen Überzeugungen.
Doch der Blick hinter die Zutaten zeigt ein deutlich komplexeres Bild.
Alte Debatte, neue Zahlen
Im Schnitt verbraucht jede Person hierzulande jährlich rund 5,4 Kilogramm Butter und 3,4 Kilogramm Margarine.
Margarine galt lange als günstiger Ersatz, während Butter als traditionelles Naturprodukt wahrgenommen wurde. Heute wird Margarine oft als die gesündere Wahl vermarktet.
Die beiden Produkte unterscheiden sich jedoch grundlegend. Butter entsteht direkt aus Milch, Margarine wird industriell hergestellt.
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Pflanzliche Öle werden mit Emulgatoren, Wasser, Salz und Konservierungsstoffen verbunden, häufig ergänzt durch Vitamine und Farbstoffe.
Beide Streichfette bestehen zu 80 bis 90 Prozent aus Fett. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern vor allem die Art der Fettsäuren.
Fett ist nicht gleich fett
Butter enthält etwa 54 Prozent gesättigte Fettsäuren, die lange als problematisch galten.
Ernährungsexperte Achim Sam ordnet das heute differenzierter ein: „Heute wissen wir, dass es entscheidend ist, was die Kuh gefressen hat, aus deren Milch die Butter entsteht.“
Laut Sam verbessert Weidehaltung die Zusammensetzung der Fettsäuren.
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Kräuter und Wildblumen sorgen für mehr Omega-3-Fettsäuren und weniger cholesterinsteigernde Bestandteile.
Zusätzlich ist Weidebutter weicher streichbar und enthält mehr Beta-Carotin, was ihre gelbliche Farbe erklärt.
Auch Margarine hat sich verändert. Gehärtete Fette, früher ein Hauptkritikpunkt, sind heute weitgehend verschwunden. Dennoch rät Sam zum genauen Blick auf die Zutatenliste.
Zutaten und ökobilanz
Palm- oder Kokosfett verschlechtern laut dem Experten die Fettsäurezusammensetzung deutlich.
„Kokosöl enthält viele gesättigte Fettsäuren und bietet keine gesundheitlichen Vorteile“, betont er.
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Während Butter von Natur aus Vitamine wie A, D und E sowie Mineralstoffe enthält, werden diese der Margarine zugesetzt. Sam würde daher „eine gute Butter einer ungünstigen Margarine vorziehen“.
Beim Klima schneidet Margarine besser ab. Für ein Kilogramm Butter entstehen rund 25 Kilogramm CO₂, bei Margarine etwa 0,7 Kilogramm.
Das gilt allerdings nur ohne Palmöl, dessen Anbau häufig mit Regenwaldrodung verbunden ist.
Was am ende zählt
Achim Sams Fazit fällt ausgewogen aus. Butter und Margarine seien sehr unterschiedliche Produkte, deren Wirkung stark von Qualität und Herstellung abhänge.
Wer Kalorien sparen wolle, solle ganz auf Streichfette verzichten und Alternativen wie Quark oder Hüttenkäse wählen.
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Quelle: BILD