Der Krieg in der Ukraine hinterlässt tiefe Spuren auch in den eigenen Reihen Russlands.
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Während die Kämpfe andauern, liefern abgefangene Funksprüche seltene Einblicke in den mentalen Zustand der Soldaten an der Front.
Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes deuten die Aufnahmen auf wachsende Verzweiflung und Bewältigungsmechanismen hin, die weit über die üblichen Belastungen des Kriegsgeschehens hinausgehen.
Abgefangene Stimmen
Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR teilte mit, er habe Funkmitschnitte russischer Militärkommunikation erhalten, in denen über den Einsatz von Drogen an der Front gesprochen wird.
Die Behörde veröffentlichte am 31. Januar Details zu den Aufnahmen auf ihrem offiziellen Telegram-Kanal.
In einem abgefangenen Austausch fragt ein russischer Soldat einen anderen:
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“Hast du zufällig Trimethylfentanyl, Phenadon oder Dolophin? Nur um diese Kampftage irgendwie zu glätten… psychisch ist es schon unerträglich.”
HUR erklärte, das Gespräch spiegele den zunehmenden psychischen Druck wider, der mit ständigen Verlusten, gescheiterten Angriffen und langer Belastung durch Kampfbedingungen verbunden sei.
Drogen in den Schützengräben
Nach Angaben von HUR diskutierten die Soldaten auch die Möglichkeit, starke Schmerzmittel unter Feldbedingungen herzustellen.
Die Idee wurde jedoch schnell verworfen, weil die nötigen Chemikalien fehlten.
“Leider haben wir hier keine Reagenzien. Alles, was wir haben, ist Paracetamol, und das würde uns nur vergiften,” sagte ein Soldat in der abgefangenen Aufnahme.
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Der ukrainische Geheimdienst bewertete solche Gespräche als Hinweis darauf, dass es sich nicht nur um Einzelfälle handelt, sondern dass Drogenkonsum für manche Einheiten zu einem Bewältigungsmechanismus geworden ist.
Zusammenbruch der Moral
Analysten des HUR argumentieren, dass der Einsatz von Opioiden ein Symptom für breitere Probleme mit Moral und Disziplin in der russischen Armee sei.
Traditionelle Militärpropaganda reiche nicht mehr aus, um die Motivation angesichts täglichen ukrainischen Artilleriefeuers, Führungsversagens und fehlender sichtbarer Fortschritte aufrechtzuerhalten.
“Die anhaltende Feuerkraft der ukrainischen Verteidigungskräfte, katastrophale Verluste, Gesetzlosigkeit unter den Kommandeuren und das völlige Fehlen von Zukunftsperspektiven scheinen nur noch durch Drogenkonsum ausgeglichen zu werden,” erklärte HUR in seiner Mitteilung.
Die Behörde ordnete das Thema als Teil eines größeren Musters psychologischen Zusammenbruchs ein, nicht als individuelles Fehlverhalten.
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Düstere Zahlen
Zuvor hatte HUR von einem starken Anstieg nicht kampfbedingter Todesfälle unter russischen Soldaten berichtet.
Laut den von der Behörde genannten Zahlen wurden in den Jahren 2024 bis 2025 mehr als 600 solcher Todesfälle registriert.
Davon wurden allein 112 Todesfälle im Jahr 2025 auf Drogenvergiftungen zurückgeführt, fast so viele wie im gesamten Jahr 2024.
Der ukrainische Geheimdienst verwies zudem auf steigende Suizidraten und Substanzmissbrauch als Anzeichen einer zunehmenden Demoralisierung.
HUR erklärte, die Zahlen verdeutlichten die Belastung, die der Krieg für die russischen Streitkräfte bedeutet, während kein Ende des Konflikts in Sicht sei.
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Quellen: Ukrainischer Militärgeheimdienst (HUR), United24Media.