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Gefälschte ukrainische Frauen überschwemmen Facebook – und heizen antukrainische Stimmung an

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Es ist unklar, wer hinter den Dating-Anzeigen steckt.

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Ein Anstieg ungewöhnlicher Dating-Beiträge hat polnische Facebook-Gruppen überschwemmt und die Aufmerksamkeit Tausender Nutzer auf sich gezogen. Auf den ersten Blick wirken sie wie gewöhnliche Kontaktanzeigen.

Doch Tonfall, Bildsprache und die Reaktionen, die sie hervorrufen, deuten darauf hin, dass etwas anderes dahintersteckt. Was wie Online-Partnervermittlung aussieht, ist zu einem Vehikel für Feindseligkeit geworden.

Und laut einer Recherche des polnischen Mediums Konkret24 existieren die Frauen nicht. Eine Analyse mit HiveModeration ergab mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent, dass die Bilder KI-generiert sind.

Doch welchem Zweck dient das?

Anti-ukrainische Stimmung

Dr. Karina Stasiuk-Krajewska von der SWPS-Universität erklärt in einem Interview mit Konkret24, dass die die Bilder begleitenden Texte darauf ausgelegt sind, die gefälschten ukrainischen Frauen als fordernd erscheinen zu lassen und sie als Vertreterinnen eines negativen Weiblichkeitsbildes darzustellen.

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Die gefälschten Bilder zeigen die Frauen in unordentlichen Umgebungen, manchmal beim Rauchen einer Zigarette oder beim Trinken eines Biers, und gelegentlich ist auch ein falsches Baby auf dem Bild zu sehen.

Dies, so die Expertin, löst beim Betrachter eine negative Reaktion aus, weil die Bilder kulturelle Wertungen von Mutterschaft und Weiblichkeit ausnutzen. „Wir haben es mit einem Zusammenprall von Bildern zu tun, die kulturell eindeutig negativ bewertet werden“, merkt sie an und fügt hinzu, dass die Nationalität oft erst offengelegt werde, nachdem sich bereits ein negativer Eindruck gebildet habe.

„An der Oberfläche ist dies keine Botschaft über die Ukraine oder ukrainische Frauen, sondern eine Kontaktanzeige“, sagt sie. „Gerade deshalb ist die Wirksamkeit der Botschaft größer.“

Ob aus Profitinteresse oder aus propagandistischen Motiven – das Ergebnis ist dasselbe. Die Kampagne verstärkt Feindseligkeit, normalisiert Hassrede und vertieft anti-ukrainische Stimmung im Netz.

Konkret24 berichtet zudem von massiven Gegenreaktionen auf die gefälschten Profile, mit Kommentaren wie „Geh nach Hause, an der Front werden sie dich lieben“ und „Dann ab in die Ukraine“.

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Netzwerk hinter den Beiträgen

Konkret24 identifizierte mindestens 40 Facebook-Profile, die dieselben Anzeigen wiederholt in mehreren Gruppen teilten. Seit Anfang Januar 2026 hat das Netzwerk Hunderte solcher Beiträge veröffentlicht.

Die Operation veröffentlicht auch KI-generierte Bilder polnischer Frauen. Der Unterschied ist auffällig: saubere Innenräume, ruhige Umgebungen und kein Hinweis auf die Nationalität. Der visuelle Kontrast verstärkt ein negatives Stereotyp, das erst nach der Offenlegung der ukrainischen Herkunft angewandt wird.

Quellen: Konkret24, SWPS University