In den USA laufen Ermittlungen gegen Nike wegen mutmaßlicher Diskriminierung weißer Arbeitnehmer.
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Der politische Streit um Diversitätsprogramme in Unternehmen erreicht einen neuen Höhepunkt. Eine US-Bundesbehörde nimmt nun einen der bekanntesten Sportartikelhersteller der Welt ins Visier.
Der Fall gilt als Gradmesser dafür, wie weit staatliche Stellen bei der Überprüfung von Gleichstellungsinitiativen gehen wollen.
Politische Bruchlinien
Wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet, hat die US-Gleichstellungsbehörde Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) eine formelle Untersuchung gegen Nike eingeleitet.
Gegenstand der Ermittlungen ist der Vorwurf, dass weiße Arbeitnehmer durch bestimmte Programme oder Personalentscheidungen benachteiligt worden sein könnten.
Grundlage ist eine sogenannte „Commissioner’s Charge“, ein selten genutztes Instrument, mit dem ein EEOC-Mitglied selbst eine Untersuchung anstoßen kann.
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Nach Gerichtsunterlagen wurde diese Anzeige im Mai 2024 von EEOC-Chefin Andrea Lucas eingereicht. Zuvor hatte die konservative Rechtsorganisation America First Legal die Behörde aufgefordert, gegen Nike vorzugehen.
Lucas gilt als scharfe Kritikerin von Programmen für Vielfalt, Gleichberechtigung und Teilhabe (Diversity, Equity and Inclusion – DEI). Unter Präsident Donald Trump zählt die Überprüfung solcher Initiativen zu den erklärten Prioritäten der Bundesregierung.
Was geprüft wird
AP zufolge wurde die Untersuchung öffentlich, nachdem die EEOC in Missouri vor einem Bundesgericht beantragt hatte, Nike zur vollständigen Befolgung einer Vorladung zu zwingen.
Die Behörde fordert unter anderem Informationen darüber, nach welchen Kriterien Mitarbeiter für Entlassungen ausgewählt werden, wie Nike Daten zu ethnischer Zugehörigkeit und Hautfarbe erfasst und nutzt sowie Details zu möglichen Förder- oder Mentoringprogrammen mit rassischen Zugangsbeschränkungen.
Nike ist damit das bislang prominenteste Unternehmen, gegen das eine öffentlich bestätigte, formelle Anti-DEI-Untersuchung der EEOC läuft.
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Reaktion des Konzerns
Nike erklärte, man habe umfassend mit der Behörde kooperiert, sei jedoch vom rechtlichen Vorgehen überrascht worden. In einer Stellungnahme an AP sprach das Unternehmen von einer „überraschenden und ungewöhnlichen Eskalation“.
„Wir haben Tausende Seiten an Informationen sowie ausführliche schriftliche Antworten an die EEOC übermittelt und stellen derzeit weitere Unterlagen zur Verfügung“, hieß es in der Erklärung.
Zugleich betonte Nike, man halte sich an „alle geltenden Gesetze, einschließlich jener, die Diskriminierung verbieten“, und nehme die Vorwürfe ernst.
Teil einer größeren Kampagne
Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einer breiteren Offensive gegen DEI-Programme in der US-Wirtschaft. Laut AP hat America First Legal in den vergangenen Jahren zahlreiche Schreiben an die EEOC gerichtet, um Untersuchungen gegen große Unternehmen anzuregen.
Wie viele dieser Hinweise zu formellen Verfahren geführt haben, ist unklar. Die EEOC darf Anzeigen nur dann öffentlich machen, wenn sie zu Klagen, Vergleichen oder anderen offiziellen Maßnahmen führen. Im November hatte die Behörde bereits eine ähnliche Vorladung gegen den Finanzdienstleister Northwestern Mutual erlassen.
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Rechtliche Grauzone
Kern der Debatte ist Titel VII des Civil Rights Act, der es Arbeitgebern untersagt, Beschäftigungsentscheidungen auf Basis der Hautfarbe oder ethnischen Zugehörigkeit zu treffen.
In der gegen Nike eingereichten Anzeige wird unter anderem auf öffentlich zugängliche Aussagen des Unternehmens verwiesen, darunter das 2021 formulierte Ziel, bis 2025 einen Anteil von 35 Prozent ethnischer und rassischer Minderheiten in der Unternehmenszentrale zu erreichen. Solche Zielmarken wurden nach den landesweiten Protesten im Jahr 2020 von vielen US-Unternehmen eingeführt.
Unternehmen betonen, es handele sich um Zielvorstellungen und nicht um Quoten. Ob Nike diese Grenze überschritten hat, müssen nun die Ermittler klären.
Quelle: AP