Was jahrelang als geklärt galt, erwies sich später als Irrtum.
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Ein Grab, eine offizielle Todesmeldung und jahrelange Trauer. Für eine Familie in der Westukraine schien das Schicksal ihres Sohnes besiegelt. Erst viel später zeigte sich, dass eine zentrale Annahme falsch war.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Unsicherheiten von Identifizierung und Vermisstenstatus im Krieg.
Ein begrabener Name
Wie der Sender Suspilne berichtet, wurde 2023 in der Region Lwiw ein gefallener Soldat mit militärischen Ehren beigesetzt. Laut Angaben der lokalen Behörden galt der Tote als Nazar Daletskyj, ein Soldat der ukrainischen Armee.
Grundlage war ein DNA-Abgleich, nachdem Daletskyj zuvor als vermisst gemeldet worden war. Seine Mutter hatte eine Probe abgegeben und erhielt anschließend die offizielle Todesnachricht.
Das Grab trug das Todesdatum 25. September 2022.
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Krieg und Ungewissheit
Nach Angaben des Leiters der Militärverwaltung der Region Lwiw, Maksym Kosyzkyj, hatte Nazar Daletskyj bereits an der Anti-Terror-Operation teilgenommen und meldete sich nach Beginn der russischen Großinvasion erneut zum Militärdienst.
Im Mai 2022 verlor seine Einheit den Kontakt zu ihm. Zunächst wurde er als vermisst geführt, später als gefallen.
Nach damaligen Angaben der Militärverwaltung der Region Lwiw galt Daletskyj als im Bezirk Kupjansk in der Region Charkiw gefallen.
Stimmen aus der Gefangenschaft
Erst Jahre später tauchten Zweifel an dieser Version auf. Im Juli 2025 berichtete ein aus russischer Gefangenschaft entlassener Soldat, Daletskyj lebe noch.
Laut Suspilne bestätigten im August und Oktober zwei weitere Rückkehrer unabhängig voneinander diese Aussage. Die Angehörigen wandten sich daraufhin an den ukrainischen Koordinationsstab für Kriegsgefangene.
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Die russische Seite bestätigte später, dass sich Daletskyj in Gefangenschaft befinde.
Rückkehr nach Jahren
Gestern kehrte Nazar Daletskyj im Rahmen eines Gefangenenaustauschs in die Ukraine zurück. Das teilte der Leiter der Militärverwaltung der Region Lwiw, Maksym Kosyzkyj, mit.
Er sprach von einem Mann, den man lange Zeit für tot hielt. Daletskyjs Schwester hatte zu diesem Zeitpunkt bereits über Briefe versucht, Kontakt aufzunehmen.
Austausch und Kontext
Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wurden an diesem Tag 157 Menschen aus russischer Gefangenschaft freigelassen. Darunter waren Soldaten und Zivilisten, viele von ihnen seit 2022 in Haft.
Ombudsmann Dmytro Lubinez erklärte, zahlreiche Rückkehrer litten unter schweren psychischen Folgen und starkem Gewichtsverlust. Alle seien jedoch erleichtert, wieder in der Ukraine zu sein.
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Der Fall Daletskyj verdeutlicht die Unsicherheit, mit der offizielle Informationen im Krieg behaftet sein können.
Quelle: Suspilne