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„Visum für traditionelle Werte“ zieht französische Antragsteller nach Russland

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Eine russische diplomatische Initiative zieht in Westeuropa Aufmerksamkeit auf sich und greift dabei kulturelle Ängste sowie politische Gräben auf.

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Beamte sagen, das Interesse sei stetig gestiegen, auch wenn das Ausmaß bislang begrenzt bleibe, berichtet TASS.

Stilles Wachstum des Interesses

Russland hat 170 Visa an französische Staatsbürger im Rahmen eines Programms ausgestellt, das sich an Ausländer richtet, die nach eigenen Angaben sogenannte traditionelle Werte teilen. Das Programm ermöglicht es den Visainhabern, später eine befristete Aufenthaltserlaubnis ohne Quotierung zu beantragen, mit einer Perspektive auf die russische Staatsbürgerschaft.

Der russische Botschafter in Frankreich, Alexej Meschkow, nannte die Zahlen in einem Interview mit aif.ru, über das die staatliche Nachrichtenagentur TASS berichtete. Er sagte, das Interesse an dem Programm sei seit dessen formeller Einführung im vergangenen Jahr gewachsen.

Rückhalt durch den Präsidenten

Meschkow brachte die Initiative mit einem Präsidialerlass vom 19. August 2024 in Verbindung. „Seit dem Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation Nr. 702 vom 19. August 2024 über die Gewährung humanitärer Unterstützung für Personen, die traditionelle russische geistige und moralische Werte teilen, beobachten wir ein wachsendes Interesse von in Frankreich lebenden Ausländern an diesem Programm“, sagte er.

„Bislang wurden 170 Visa für die Einreise nach Russland ausgestellt, die es den Empfängern ermöglichen, später eine befristete Aufenthaltserlaubnis ohne Quoten zu erhalten, mit der Aussicht auf den Erwerb der russischen Staatsbürgerschaft“, fügte der Botschafter hinzu.

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Wer sich bewirbt

Nach Angaben Meschkows stammen die Visainhaber aus sehr unterschiedlichen Lebensbereichen. Dazu zählen Familien, teils mit mehreren Kindern, ebenso wie Einzelunternehmer, IT-Spezialisten, Übersetzer und Beschäftigte aus verschiedenen Branchen.

Er sagte, die Antragsteller verbinde „der Wunsch, ihre Zukunft mit Russland zu verknüpfen, sowie die Verpflichtung zu traditionellen russischen geistigen und moralischen Werten“, und stellte das Programm als langfristige Umsiedlungsentscheidung dar, nicht als kurzfristige Migration.

Genannte Beweggründe

Der Botschafter verwies auch auf konkrete Motive, die das Interesse aus Frankreich antreiben sollen. Dazu zählte er die Unzufriedenheit mit einer seiner Darstellung nach aufgezwungenen LGBT-Agenda sowie administrative Hürden und finanzielle Belastungen.

„Weitere Motive sind die aufgezwungene LGBT-Agenda in Frankreich (die LGBT-Bewegung ist in Russland als extremistisch eingestuft und verboten), administrative und bürokratische Hindernisse sowie finanzielle Schwierigkeiten“, sagte Meschkow.

Größerer Zusammenhang

Die Initiative fügt sich in Russlands breiteres Bestreben ein, sich als Zufluchtsort für sozial konservative Ausländer darzustellen, die von westlichen Politiken enttäuscht sind. Auch wenn die Zahl der bislang ausgestellten Visa gering ist, stellen russische Beamte den Trend als Symbol tiefergehender kultureller Neuorientierungen dar.

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Unklar bleibt, wie viele Antragsteller sich letztlich dauerhaft in Russland niederlassen oder die Staatsbürgerschaft anstreben werden. Moskau hat jedoch signalisiert, dass ähnliche Programme ausgeweitet werden könnten, sollte das Interesse weiter zunehmen.

Quellen: TASS, aif.ru