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Heilmittel gegen Haarausfall? Neue Forschung weckt Hoffnung auf Haarwachstum

Baldness balding man moon
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Behandlungen gegen Haarausfall haben über Jahrzehnte hinweg mehr versprochen als gehalten. Nun verfolgt eine neue Generation von Wissenschaftlern einen ganz anderen Ansatz: Statt Haarfollikel zu ersetzen, sollen sie wieder aktiviert werden. Die Ergebnisse sind noch in einem frühen Stadium, doch der Kurswechsel veranlasst Experten, mit vorsichtigem Optimismus neu zu bewerten, wie ein Heilmittel gegen Kahlheit tatsächlich aussehen könnte.

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Über Jahre hinweg kreiste die Forschung zum Thema Haarausfall um große Versprechen, hatte dafür jedoch bestenfalls bescheidene Ergebnisse vorzuweisen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich jedoch ein leiser Wandel vollzogen: Wissenschaftler konzentrieren sich weniger darauf, Haare zu ersetzen, und mehr darauf, Haarfollikel wieder zu aktivieren, die in einen Ruhezustand übergegangen sind. Skepsis bleibt. Doch die Richtung hat sich geändert.

Einer der am genauesten beobachteten Ansätze stammt von dem US-Biotechunternehmen Pelage, das ein topisches Medikament mit dem Namen PP405 entwickelt. Die Behandlung zielt auf Stammzellen ab, die bereits in Haarfollikeln vorhanden sind und in eine verlängerte Ruhephase geraten sind, berichtete die BBC.

Dr. Christina Weng, medizinische Leiterin von Pelage, sagte, erste Sicherheitstests am Menschen hätten „fantastische“ Ergebnisse geliefert. Die Behandlung ist als Gel oder Creme für die Anwendung zu Hause konzipiert und kommt ohne Injektionen oder chirurgische Eingriffe aus.

Die Wurzeln der Kahlheit

Der Pelage-Mitgründer Dr. William Lowry, Stammzellbiologe an der University of California in Los Angeles, erklärte den grundlegenden Mechanismus:
„Sie wachen zu Beginn eines neuen Haarzyklus auf, produzieren sehr schnell teilende Zellen, aus denen ein neues Haar entsteht, und kehren dann nach ein paar Tagen wieder in den Ruhezustand zurück.“

In von Kahlheit betroffenen Follikeln bleibt diese Rücksetzung aus.

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Haarausfall wird nicht durch eine einzelne Fehlfunktion verursacht. Alternde Follikel, Stress, Hormone und genetische Veranlagung spielen alle eine Rolle, wobei Hunderte genetischer Regionen beteiligt sind.

Ein zentraler Faktor ist Dihydrotestosteron, kurz DHT, ein potentes Abbauprodukt von Testosteron. Indem es fest an Androgenrezeptoren in Haarfollikeln bindet, verkürzt DHT die Wachstumszyklen, bis die Haare zunehmend dünner werden.

Die Genetikerin Dr. Stefanie Heilmann-Heimbach von der Universität Bonn hat argumentiert, dass eine direkte Blockade von Testosteron eine grobe und riskante Strategie sei, angesichts der vielen essenziellen Funktionen des Hormons im übrigen Körper.

Regenerativer Ansatz

Diese Grenzen haben Forscher in Richtung regenerativer Ansätze gelenkt, die mit Hormonen arbeiten, statt gegen sie. Mehrere kleinere Studien haben stamzellbasierte Behandlungen untersucht, darunter Injektionen von mit Stammzellen angereichertem Fett, mit vorübergehenden Zuwächsen beim Haarwachstum.

Das Problem ist die Skalierung. Das Gewinnen, Verarbeiten und Wiederinjizieren von Zellen ist teuer und komplex, und die Ergebnisse lassen häufig nach. Das hat viele Teams dazu veranlasst, sich stattdessen auf die molekularen Signale zu konzentrieren, die Zellen freisetzen und die den Haarwachstumszyklus beeinflussen könnten – ohne den logistischen Aufwand.

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Topische Behandlungen dominieren diese Forschungsphase aus praktischen Gründen. Sie sind günstiger zu testen, leichter zu regulieren und für Patienten einfacher anzuwenden, was sie zu attraktiven Einstiegspunkten macht, selbst wenn die zugrunde liegende Biologie noch ungewiss ist.

Zu den auffälligsten Ideen gehören auch die einfachsten. Forscher in Pakistan und Großbritannien haben gezeigt, dass ein natürlich vorkommender Zucker, 2-Desoxy-D-Ribose, das Haarwachstum bei Mäusen ebenso wirksam wiederherstellte wie Minoxidil. Tests am Menschen stehen noch aus.

Frühere Wellen der Kahlheitsforschung jagten oft spektakulären Lösungen hinterher und blieben hinter den Erwartungen zurück. Diese hier ist im Ton anders: schrittweise, mechanismusgetrieben und vorsichtig. Ob sich diese Zurückhaltung letztlich auszahlt, ist die Frage, vor der das Forschungsfeld nun steht.

Sources: BBC, Pelage

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