Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit, die Anfang dieses Monats veröffentlicht wurde, hat eine der langlebigsten Annahmen der Raumfahrtforschung deutlich gedämpft. Der Beitrag argumentiert, dass menschliche Fortpflanzung jenseits der Erde weiterhin in weiter Ferne liegt.
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Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt. Während Regierungen und private Unternehmen von Testflügen zu Gesprächen über permanente Siedlungen übergehen, sagen die Autoren, dass von der Biologie erwartet wird, mit der Ingenieurskunst Schritt zu halten. Das tut sie jedoch nicht.
Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift Reproductive BioMedicine Online veröffentlicht. Es handelt sich um eine narrative Übersichtsarbeit, die auf mehreren Jahrzehnten Forschung in den Bereichen Raumfahrtmedizin, Reproduktionsbiologie und Entwicklungswissenschaft basiert. Der Text, verfasst von mehr als einem Dutzend Autoren aus akademischen und klinischen Einrichtungen, wertet zahlreiche frühere Studien aus, anstatt neue experimentelle Daten zu präsentieren.
Ein vorsichtiger Konsens
Ihre gemeinsame Position ist klar, so The Mirror: Schwangerschaft und Geburt im Weltraum sollten zum jetzigen Zeitpunkt nicht versucht werden. Stattdessen argumentieren die Autoren, dass der Schutz der Fruchtbarkeit und das Verständnis der Risiken Vorrang haben müssen, bevor Pläne für dauerhafte Siedlungen festgeschrieben werden.
Der Hauptautor Giles Palmer, klinischer Embryologe und geschäftsführender Direktor der International IVF Initiative, sagte, das Ziel sei es, sich auf absehbare Risiken vorzubereiten, wenn die Missionsdauern länger werden – nicht, die Fortpflanzung in der Umlaufbahn zu fördern.
Anstatt einzelne Gefahren zu isolieren, konzentriert sich die Übersichtsarbeit darauf, wie sich Schäden im Laufe der Zeit aufbauen könnten. Strahlenbelastung kann genetische Schäden verursachen, die sich über Generationen hinweg ansammeln. Veränderte Schwerkraft könnte die Entwicklung auf subtile, verzögerte und schwer umkehrbare Weise beeinträchtigen.
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„Weltraumstrahlung kann DNA schädigen, die Bildung von Keimzellen stören und das Krebsrisiko erhöhen, während Mikrogravitation die hormonelle Regulation, die Qualität der Keimzellen und die embryonale Entwicklung beeinträchtigt“, sagte Palmer.
Die Autoren verweisen außerdem auf weniger dramatische, aber anhaltende Belastungen: gestörte Schlafzyklen, chronischen Stress, Kontaminationsrisiken und begrenzte Möglichkeiten medizinischer Eingriffe. Zusammengenommen, so argumentieren sie, könnten diese Bedingungen nicht nur einzelne Schwangerschaften untergraben, sondern auch die langfristige Gesundheit einer möglichen außerirdischen Bevölkerung.
Begrenzte Evidenz beim Menschen
Die Daten aus bemannten Raumflügen sind weiterhin spärlich. Die vorhandene Evidenz stammt größtenteils aus relativ kurzen Missionen und liefert nur ein unvollständiges Bild der langfristigen reproduktiven Auswirkungen. Darüber hinaus ist die Datenlage lückenhaft.
Tierstudien geben Anlass zur Sorge, doch darüber, wie direkt sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, herrscht Uneinigkeit. Einige sind der Ansicht, dass künftige Abschirmungen und medizinische Gegenmaßnahmen einen Großteil des Problems lösen werden. Andere sind weniger überzeugt.
Die Übersichtsarbeit versucht nicht, diese Debatte zu entscheiden. Sie macht sie sichtbar.
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Anstelle von Experimenten plädieren die Autoren für einen internationalen Rahmen zur Regulierung der reproduktiven Forschung im Weltraum, mit strenger ethischer Aufsicht und klaren Grenzen.
Sie kommen zu dem Schluss, dass Fortschritte in der assistierten Reproduktionstechnologie einige Risiken möglicherweise verringern könnten, allerdings nur in Verbindung mit Transparenz, informierter Einwilligung und dem Schutz zukünftiger Nachkommen.
Die Debatte erinnert an frühere Phasen der Medizin, in denen technologische Zuversicht der Evidenz vorauslief. Da geopolitische Rivalität und kommerzieller Druck nun die Raumfahrt prägen, legen die Autoren nahe, dass Zurückhaltung die sicherere Option sein könnte.
Das Fazit ist einfacher als die Rhetorik rund um Weltraumsiedlungen. Wir können Menschen weiter schicken als je zuvor. Neue Menschen dort draußen zu schaffen, ist eine andere Frage.
Quellen: Reproductive BioMedicine Online, The Mirror